Stromboli: Lavaüberlauf am 09. November 2025

Lavastrom fließt über die Sciara del Focco am Stromboli – Riss an der Basis des Nordkraters

Nach mehreren Monaten normaler strombolianischer Tätigkeit gibt es seit heute Morgen 11:00 Uhr wieder einen kleinen Lavastrom am Stromboli. Wie das Ätna-Observatorium des INGV meldet, findet der Lavaüberlauf im Bereich des Nordkraters statt. Der Lavastrom fließt im oberen Abschnitt der Sciara del Fuoco. In der Initialphase des Geschehens waren zwei Lavaströme aktiv, die aus kurzen Rissen flossen. Heißes Material rutscht die Sciara hinab und verursacht dabei dunkle Staubwolken sowie rollende, glühende Blöcke. Die typische explosive Aktivität im Südkraterbereich hält weiterhin an.

Drohnenaufnahmen, die von „Stromboli stati d’animo“ veröffentlicht wurden, zeigen nur noch einen aktiven Lavastrom. Der zweite ist bereits abgekühlt. Zuletzt floss die Lava aus einem neuen Schlot, der sich auf der basalen Außenseite des Kraters gebildet hat.

Seismische Messungen zeigen bislang keine auffälligen Veränderungen. In den letzten drei Stunden wurden jedoch mehrere kleinere Erdrutsche entlang der Sciara del Fuoco registriert, insbesondere um 8:43 und 10:14 Uhr UTC. Auch der vulkanische Tremor sowie die Daten der Bodenverformungsmessnetze weisen in den letzten Stunden keine signifikanten Veränderungen auf. Am Vortag war der Tremor allerdings bis in den orangenen Bereich gestiegen.

Im letzten Wochenbericht für den Beobachtungszeitraum 27.10. bis 02.11.2025 berichteten die INGV-Vulkanologen von einer normalen strombolianischen Tätigkeit, wobei Stärke und Häufigkeit der Eruptionen zuletzt zugenommen hatten. Die stündliche Gesamthäufigkeit schwankte zwischen 12 und 20 Explosionen pro Stunde. Die Intensität der Eruptionen war im Bereich des nördlichen Kraters überwiegend gering und im Bereich des südlichen Kraters gering bis mittelstark. Es wurden hohe Heliumisotopenverhältnisse und Kohlendioxid-Emissionen festgestellt, so dass die aktuelle Aktivitätssteigerung nicht völlig überraschend kam. Allerdings liegen mir keine Berichte über langanhaltendes Lavaspattering vor, das häufig Lavaüberläufe ankündigt.

Stromboli ist einer der aktivsten Vulkane der Welt und seit Jahrtausenden daueraktiv. Typisch für den Inselvulkan sind seine strombolianischen Eruptionen – kleine Explosionen aus den Schloten des Gipfelkraters. Gelegentlich kommt es aber auch zur Bildung von Lavaströmen, Flankeneruptionen und Paroxysmen, die pyroklastische Ströme generieren können.

Island: Erdbeben Mb 3,5 am Nordrand der Askja

Askja. © EMSC/Leaflet

Erdbeben Mb 3,5 erschütterte Vulkan Askja auf Island – Beben unter dem Caldera-Nordrand

Datum: 09.11.2025 | Zeit: 09:39:29 UTC | Koordinaten 65.081 ; -16.753 | Tiefe: 4,5 km | Mb 3,5

Auf Island manifestierten sich an diesem Wochenende gleich zwei Erdbeben, die von der Magnitude her zumindest theoretisch spürbar gewesen waren. Theoretisch, weil sie sich in einer menschenleeren Gegend des Hochlands im Bereich des Vatnajökulls ereigneten. Das erste Beben von Samstagnacht hatte eine Magnitude von 3,2 und ein Hypozentrum in 3 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum wurde 4,7 km nordöstlich des Zentrums der Bárðarbunga-Caldera verortet. Erdbeben dieser Magnitude gibt es hier öfter. Deutlich seltener und daher interessanter ist das jüngere Erdbeben von heute Vormittag, das sich unter dem Nordrand der Askja in einer Tiefe von 4,5 Kilometern manifestierte und eine Magnitude von 3,5 hatte. Beide Beben werden vom IMO auf der Shakemap angezeigt, die zum Vatnajökull gehört.

Bei der Askja handelt es sich wahrscheinlich um einen eigenständigen Zentralvulkan, obwohl einige Autoren ihn früher zum Bardarbunga-System zählten. Heute geht man davon aus, dass der mächtigste Vulkan Zentralislands – der Bárðarbunga – seine Finger zwar bis in die Nähe der Askja ausstreckt, aber kurz vorher endet. Dennoch ist es nicht auszuschließen, dass die Ausläufer des Störungs- und Leitungssystems von Bardarbunga und Askja am Askja-Südrand miteinander verwoben sind. Diese Hypothese beruht auf Beobachtungen vor und während der Bárðarbunga-Eruption von 2014, als man im Bereich der Askja ebenfalls eine erhöhte Seismizität nebst Bodenhebung detektierte.

Seit 2021 hebt sich der Boden inmitten der Askja-Caldera um mehr als einen Meter. Der Hebungsprozess verlangsamte sich in den letzten 2 Jahren, hält aber weiterhin an. Die Seismizität ist vergleichsweise gering und der Erdstoß heute stellte das stärkste Beben seit mehreren Monaten dar: Zuletzt gab es am 26. März 2024 im gleichen Areal ein vergleichbares Erdbeben. Davor wurden 2022 und 2021 Beben mit Magnituden im Dreierbereich registriert.

Die Bodenhebung zeigt an 2 GNSS-Messstationen im Norden der Caldera (TASK und KASAC) seit einigen Wochen einen ungewöhnlich steilen Verlauf, während an der Station OLAC die Hebung relativ konstant verläuft. Seit letztem November hob sich der Boden hier um 70 mm. Die Bodenhebung wird aller Wahrscheinlichkeit nach durch eine Magmenakkumulation im Untergrund verursacht, wobei sich nicht ausschließen lässt, dass es ein überwiegend hydrothermales Phänomen ist. Askja könnte sich also auf einen Vulkanausbruch vorbereiten.

Japan: Starkes Erdbeben M 6,8 vor Honshu

Starkes Erdbeben der Magnitude 6,8 vor der Ostküste Honshus – Tsunamialarm für Norden Japans

Datum: 09.11.2025 | Zeit: 08:03:38 UTC | Koordinaten 39.482 ; 143.311 | Tiefe: 5 km | Mw 6,8

Vor der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu hat sich heute Morgen um 08:03:38 UTC (Sonntagnachmittag 17:03:38 Uhr Ortszeit) ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,8 ereignet. Das Epizentrum lag 119 Kilometer östlich von Miyako und 187 Kilometer östlich von Morioka, nahe den Koordinaten 39,5° N und 143,3° E. Die Tiefe des Bebens wurde mit nur 5 Kilometern angegeben, was auf ein sehr flaches Ereignis hindeutet. Es folgten mehrere Nachbeben. Das stärkste hatte eine Magnitude 5,9. Zudem wurde eine Tsunami-Warnung herausgegeben

Laut der Japan Meteorological Agency (JMA) gilt die Tsunami‑Warnung für Teile der Nordostküste Japans, insbesondere die Präfektur Iwate, herausgegeben. Das philippinische PHILVOLCS verwies ausdrücklich darauf, dass es keine Tsunami-Gefahr auf dem weiter südlich gelegenen Archipel gibt.

Honshu. &copy: EMSC

Die Region um Morioka und Miyako gehört zur Erdbebenzone entlang der Subduktionszone der Pazifischen Platte, die unter die Ochotsk-Platte abtaucht. Solche tektonischen Bewegungen sind in dieser Gegend keine Seltenheit, doch ein Beben dieser Stärke kann sehr starke Erschütterungen verursachen.

Das Epizentrum des aktuellen Erdstoßes liegt etwas weiter nördlich von jener Stelle entlang des Japangrabens, an der sich 2011 das verheerende Tōhoku-Megabeben der Magnitude 9,1 ereignete, das den Tsunami auslöste, der letztendlich zur Havarie des Atomkraftwerks von Fukushima führte.

Bislang liegen keine Berichte über größere Schäden oder Verletzte vor. Offizielle Stellen wie die Japan Meteorological Agency (JMA) und andere Erdbebenbeobachtungszentren überwachen die Lage weiterhin intensiv.

Seismologen weisen darauf hin, dass bei Erdbeben mit einer so geringen Tiefe die Oberflächenerschütterungen lokal deutlich spürbar sein können. Dennoch könnte die Entfernung zur Küste die Auswirkungen in den besiedelten Gebieten abschwächen.

Das japanische Katastrophenschutzsystem und die Bevölkerung sind aufgrund der häufigen seismischen Aktivitäten in der Region gut vorbereitet. Dennoch mahnen Behörden zur Wachsamkeit und empfehlen, aufmerksam auf eventuelle Nachbeben zu achten.

Betrachtet man die Shakemap genauer, stellt man fest, dass der Japangraben im Norden in den Kurilen-Kamtschatka-Graben mündet, an dem es vor der Südostküste der sibirischen Halbinsel weiterhin bebt. Es gibt also große Spannungen entlang der pazifischen Subduktionszone.

Campi Flegrei: Anhaltender Erdbebenschwarm am 09.11.25

Intensiver Erdbebenschwarm erschüttert Campi Flegrei und Pozzuoli – Über 70 Beben seit gestern

Seit Wochen ist die Erdbebenaktivität in der süditalienischen Caldera Campi Flegrei signifikant erhöht, sodass man mittlerweile von einem durchgehenden Erdbebenschwarm sprechen kann. Phasenweise verstärkt sich diese seismische Aktivität, sodass die Erschütterungen fast im Minutentakt auftreten. Viele der Beben bleiben unbemerkt, doch mehrere Erdstöße werden von den Bewohnern des Calderavulkans deutlich wahrgenommen und hinterlassen Spuren an der Bausubstanz.

Erdbeben. © INGV

Seit dem 8. November wurden über 70 schwache Erschütterungen registriert. Das stärkste Einzelbeben erreichte am Morgen des 9. November eine Magnitude von 2,2 und ereignete sich in einer Tiefe von 2,3 Kilometern. Das Epizentrum lag nördlich der Solfatara.

Die zahlreichen Erdbeben bauen aufgestaute Spannungen im Untergrund rasch ab, sodass stärkere Erschütterungen in den letzten Wochen ausblieben – doch das muss nicht so bleiben. Die Bodenhebung steigerte sich Mitte Oktober auf etwa 20 Millimeter pro Monat; ungefähr zu diesem Zeitpunkt setzte auch der aktuelle Erdbebenschwarm ein. Ein ähnliches Muster zeigte sich bereits im Frühjahr 2023 und im Sommer des vergangenen Jahres.

Inzwischen wächst das Risiko phreatischer Eruptionen in der Solfatara und im benachbarten Pisciarelli-Gebiet zunehmend. Ob und wann es tatsächlich zu Explosionen kommt, bleibt jedoch ungewiss.

Währenddessen bereiten sich Zivilschutz, Behörden und Bürger der roten Gefahrenzone auf den Ernstfall vor. Am 5. und 6. November fand in der Region Kampanien die nationale Vulkanrisikoübung „Exe Flegrei 2025“ statt. Ziel war es, die Abläufe einer möglichen Evakuierung im Fall eines Vulkanausbruchs zu testen und die nationale Koordination zu stärken.

Neben den lokalen Einsatzkräften nahmen auch das INGV, operative Einheiten sowie die Regionen Sardinien und Sizilien teil. Die beiden Inseln spielen im Ernstfall eine Schlüsselrolle: Sie sollen – laut nationalem Notfallplan – Evakuierte aus dem neapolitanischen Stadtgebiet aufnehmen. Sardinien ist dabei für die Unterbringung der Bewohner des Stadtteils Posillipo vorgesehen.

Während der Übung wurden die Kommunikationswege zwischen den Einsatz- und Koordinierungszentren überprüft und die Evakuierungsroute von den drei Wartebereichen in Neapel – Piazza Vittoria, Piazza Sannazaro und Piazza San Luigi – zum See- und Fährhafen getestet. Dort wurden die Systeme zur Registrierung und Einschiffung der Bevölkerung für die Partnerregionen simuliert.

Die Übung knüpfte an „Exe Flegrei 2024“ an, die im Oktober 2024 bereits Teile des Rückzugsplans erprobt hatte. Auch Schüler und Lehrer des Instituts „Bernini-De Sanctis“ beteiligten sich als Vertreter der betroffenen Stadtviertel.

Der Zivilschutz betonte, dass solche Simulationen entscheidend seien, um die Verfahren zu festigen und sowohl Einsatzkräfte als auch Bevölkerung bestmöglich auf den Ernstfall vorzubereiten.