Vulcano: Leichte Entspannung der Situation

Vulcano atmet auf – erhöhte GeoWerte rückläufig

Vulcano, römischer Gott und Namensgeber aller Vulkane, zeigt sich zu Beginn des Jahres vergleichsweise gnädig: Nach Monaten alarmierend hoher Fumarolentemperaturen und Kohlendioxid-Emissionen meldet das italienische Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) eine insgesamt abnehmende Aktivität auf der liparischen Vulkaninsel, die den Namen des Gottes trägt und vielfach als sein Zuhause angesehen wird. Die GeoDaten liegen aber immer noch deutlich über den Normalwerten und die Lage bleibt beobachtungswürdig.




Im gestern veröffentlichten Bulletin für den Januar 2026 beschreiben die Vulkanologen ein von intensiven, aber nachlassenden hydrothermalen Prozessen geprägtes Vulkansystem. So haben die Fumarolen-Temperaturen im Krater La Fossa deutlich abgenommen und liegen inzwischen rund 40 Grad unter den Höchstwerten des Vorjahres. Konkret liegen die Temperaturen an den 4 gemessenen Fumarolen zwischen 267 und 227 °C. Auch die Gasemissionen von Kohlendioxid und Schwefeldioxid zeigen leicht rückläufige Trends. Dennoch stößt der Vulkan noch viel Gas aus: Der CO₂-Ausstoß lag im Schnitt bei 10000 g/m2/d. Geht man von einem 10.000 Quadratmeter großen Fumarolenfeld aus, wären das ca. 100 Tonnen am Tag. Betrachtet man einen ganzen Krater aus dem diffus Gas austritt, kommt man schnell auf das 10-fache des Wertes.

Die Seismizität blieb im Januar niedrig, und Messungen der Bodenverformung liefern keine Hinweise auf Bodenhebungen. Es gibt also derzeit keine Anzeichen dafür, dass frisches Magma aufsteigt. Die Entgasungen stammen von der letzten Intrusion im September letzten Jahres.

Die Situation auf Vulcano eskalierte im Herbst 2021, als es zu einer ersten Intrusion unter dem Vulkan kam. Die Gasemissionen nahmen sprunghaft zu, Fumarolentemperaturen stiegen auf ungewöhnlich hohe Werte, und das Bodenniveau im Kraterbereich hob sich messbar an. In Vulcano Porto mussten zeitweise Sperrzonen eingerichtet werden, weil sich CO₂ in Senken und Gebäuden ansammelte und zur Gefahr für die Bevölkerung wurde.

Die wissenschaftliche Einordnung des Geschehens ist heute klarer als damals: Unter Vulcano kam es zu einer Magmenintrusion in geringer Tiefe. Das Magma erreichte die Oberfläche nicht, setzte jedoch große Mengen an Gasen frei und heizte das hydrothermale System stark auf. Schätzungen zufolge drangen mehrere Millionen Kubikmeter Magma in die Erdkruste ein – genug, um das System zu destabilisieren, aber nicht genug für eine Eruption. Ähnliche Prozesse hatte der Vulkan bereits zwischen 1988 und 1993 gezeigt.

Auch wenn sich die Situation momentan entspannt und die Bewohner von Vulcano durchatmen können, kann es jederzeit zu neuen Magmaintrusionen kommen, die letztendlich in einer Eruption gipfeln könnten. Verlässliche Prognosen lassen sich nicht aufstellen.

Luna: Impakt von Asteroid 2024 YR4 droht

Asteroid 2024 YR4: Vom potenziellen Erdtreffer zum kosmischen Mondschauspiel

Als der Asteroid 2024 YR4 Ende 2024 entdeckt wurde, sorgte er in der Astronomischen Gemeinschaft zunächst für Aufregung: Erste Bahnberechnungen ließen die geringe Möglichkeit zu, dass der etwa 60 Meter große Himmelskörper im Jahr 2032 auf der Erde einschlagen könnte. Der Impakt eines Asteroiden dieser Größenordnung wäre mit jenem in Tunguska (1908) vergleichbar. Er könnte ganze Metropolen auslöschen, aufgewirbelte Staubpartikel würden das globale Klima beeinflussen. Bei einem Treffer im Meer könnten gewaltige Tsunamis entstehen. Solche frühen Einschätzungen sind bei neu entdeckten Asteroiden nicht ungewöhnlich, wie das Chaos um Apophis verdeutlichte: Die Beobachtungsdaten und Bahnberechnungen sind anfangs ungenau, die Unsicherheiten groß. Dennoch reichte die rechnerische Wahrscheinlichkeit aus, um 2024 YR4 zeitweise auf die Impakt-Risikolisten der NASA zu setzen.




Asteroid

Mit fortschreitenden Beobachtungen änderte sich das Bild. Zusätzliche Messungen, unter anderem mithilfe leistungsstarker Teleskope, erlaubten eine präzisere Bestimmung der Umlaufbahn. Heute gilt ein Erd-Einschlag als praktisch ausgeschlossen. Stattdessen richtet sich der Blick nun auf ein anderes Szenario: eine kleine, aber nicht vernachlässigbare Wahrscheinlichkeit von ca. 4 %, dass der Asteroid den Mond trifft.

Sollte es im Dezember 2032 tatsächlich zu einem Mond-Impakt kommen, würde 2024 YR4 mit einer Energie von rund 6,5 Megatonnen TNT einschlagen. Das entspricht der 400-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Atombombe – genug Energie, um einen etwa einen Kilometer großen Krater zu erzeugen. Für die Erde bestünde keine direkte Gefahr. Denkbar wäre jedoch ein spektakulärer Nebeneffekt: Beim Einschlag ausgeworfenes Mondmaterial könnte teilweise in Richtung Erde geschleudert werden und dort als außergewöhnlicher Meteorschauer in der Atmosphäre verglühen. Für Wissenschaft und Himmelsbeobachter wäre dies ein wertvolles Ereignis: Einen so großen Impakt mit modernen Instrumenten live zu verfolgen, würde eine Menge Echtzeitdaten liefern und Rückschlüsse auf irdische Einschläge zulassen. Außerdem würden Forscher Daten erhalten, die Rückschlüsse auf die innere Struktur des Mondes liefern. Allerdings bräuchte man dafür ein seismisches Netzwerk, was es derzeit nicht gibt. Last but not least könnten Mondmeteoriten bis zur Erdoberfläche durchdringen und Wissenschaftler bekämen Mondmaterial für Studienzwecke kostenlos geliefert.

Der Fall 2024 YR4 zeigt exemplarisch, wie dynamisch und selbstkorrigierend die planetare Gefahreneinschätzung funktioniert. Ähnlich verlief die Geschichte des berühmten Asteroiden Apophis, der nach seiner Entdeckung 2004 ebenfalls kurzzeitig als potenzielle Bedrohung galt. Heute ist klar: Apophis wird 2029 zwar extrem nahe an der Erde vorbeifliegen, soll aber aktuellen Bahnberechnungen zufolge keine Gefahr darstellen.