Mittelstarkes Erdbeben Mb 4,5 erschüttert Randstörung im äthiopischen Afar-Dreieck
Datum: 04.01.2026 | Zeit: 20:05:35 UTC | Koordinaten 13.588 ; 39.782 | Tiefe: 10 km | Mb 4,5
Nachdem es aus seismischer Sicht in den letzten Wochen recht ruhig um das äthiopische Afar-Dreieck bestellt war, manifestierte sich gestern ein mittelstarkes Erdbeben der Magnitude 4,5 am Westrand des Afar-Dreiecks. Die Herdtiefe wird vom EMSC mit 10 Kilometern angegeben, was darauf hindeutet, dass das Hypozentrum nicht genau lokalisiert werden konnte. Das Epizentrum befand sich 35 km ost-nordöstlich von Mekele, das früher als Tor zum Vulkan Erta Alé galt, aufgrund von bürgerkriegsähnlichen Unruhen vor einigen Jahren aber seine Bedeutung verlor.

Der Erdstoß gestern mag an die Ereignisse von vor einem Jahr erinnern, als es in der Awash-Region des Afar-Dreiecks zu massiven Gangintrusionen zwischen den Vulkanen Fentale und Dofen gekommen war, doch einen direkten Zusammenhang zwischen den Ereignissen damals und dem Beben gestern gibt es nicht. Das aktuelle Beben ereignete sich an der westlichen Schulterstörung des Ostafrikanischen Grabenbruchs, der sich kurz vor der Kreuzung mit den Störungen des Roten Meeres zum Afar-Dreieck weitet. Dennoch deutet das Beben auf weiterhin vorhandene Spannungen im Untergrund hin, die mit der Öffnung des Riftvalleys und der Geburt eines neuen Ozeans zusammenhängen, ein Prozess, der letztendlich auch für die Gangintrusionen verantwortlich ist, denn die Extension der Region bedingt, dass die entstandenen Lücken entlang der Spalten mit Magma verfüllt werden, ähnlich wie es entlang der Mittelozeanischen Rücken geschieht.
In diesem Sinne kann man sagen: Wo Magma ist, ist ein Vulkanausbruch nicht fern. Nach der Explosion am Hayli Gubbi Ende November, die mutmaßlich von Lava verursacht wurde, die ausgehend vom Erta Alé unterirdisch abfloss, ist in der Region keine Schmelze oberflächlich ausgetreten. Dennoch verzeichnet MIROVA immer wieder schwache bis moderate thermische Anomalien am Dofen und gelegentlich auch am Fentale. Hier könnten heiße Gase für die Wärmeabstrahlungen verantwortlich sein, die von den Gangintrusionen ausgehen.