Erdbeben im Osten des Ätnas – Tremorquellen vergleichsweise tief und weit im Norden
Am Ätna gab es in den letzten Tagen wieder mehrere Erdbeben im Osten des Vulkans. Dabei bildete sich ein Cluster im Bereich von Milo, wobei die Erdbebenherde tiefer als 5 Kilometer lagen. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 2,5 und ein Epizentrum gut 1 Kilometer nordwestlich von Milo. Weitere flachere Beben gab es näher an der Küste. Vereinzelte Erschütterungen wurden auch im Norden und Süden registriert. Im Vergleich zu den letzten beiden Monaten hat die Seismizität aber deutlich abgenommen. Trotzdem steigt weiter Magma auf, wie man anhand der Tremorquellenanalyse sehr schön erkennen kann.

Laut den INGV-Daten für den Beobachtungszeitraum 2.–8. Februar 2026 war die Tremoramplitude schwach bis mittelhoch. Doch die Lageanalyse liefert uns praktisch ein Röntgenbild des Ätnas, auf dem man zwar keine gebrochenen Knochen erkennen kann, aber ein Abbild des oberen Speicher- und Fördersystems. Aktuell steigt ein Magmenkörper aus größeren Tiefen auf und bewegt sich ungewöhnlich weit nördlich des Gipfelkraterkomplexes in einer Höhe von ca. 1,5 Kilometern über dem Meeresspiegel. Damit befindet sich das Magma noch ein Kilometer unter dem oberen Reservoir, von wo es dann bei Ausbrüchen seinen finalen Aufstieg antritt. Sollte der Magmenkörper seinen aktuell eingeschlagenen Weg beibehalten, dann liegt eine baldige Reaktivierung des Nordostkraters an. Mich würde es auch nicht wundern, wenn sich im Norden des Ätna Spalten bzw. Förderschloten öffnen würden. Mögliche Warnsignale hierfür sind flach liegende Beben unter der Nordflanke und eine Aktivierung des Pernicana-Fault.
Die moderaten geochemischen Daten der Gasemissionen bestätigen, dass das Magma noch in etwas größerer Tiefe steckt. Auch die Infraschalltätigkeit war in der letzten Woche relativ gering, mit nur wenigen Signalen, die auf Explosionen hindeuteten.
Erdbeben gab es in den letzten Tagen nicht nur unter dem Ätna, sondern auch im äußersten Westen des Liparischen Archipels, wo das EMSC mehrere Erdbeben detektierte. Das stärkste hatte eine Magnitude von 3,4 und eine Herdtiefe von 31 Kilometern – eine Tiefe, die typisch für Magma ist, das dabei ist, in der Erdkruste einzudringen, oder für Beben an einem Stück subduzierter Kruste.
Übrigens: In den Höhenlagen des Ätnas liegt dieses Jahr ungewöhnlich viel Schnee und es kommt besonders an den Wochenenden zu massiven Staubildungen in Richtung der beiden Skigebiete. Offenbar sind die Straßen durch aufgetürmten Schnee an den Rändern so eng, dass Wenden unmöglich ist und keine Rettungsgassen gebildet werden können. So kam es bereits mehrmals zu unschönen Situationen, als es galt, Verletzte abzutransportieren. Vulkanführer bemängeln zu Recht die schlechte Organisation und Räumung der Straßen von Seiten der Kommune und kritisieren im gleichen Atemzug erneut die übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen am jüngsten Lavastrom. Tatsächlich halte ich Skifahren für deutlich gefährlicher, als sich mit Bedacht einem Lavastrom zu nähern, und die Unfallbilanz bestätigt das eindeutig. Ich selbst habe höchsten Respekt vor dem Skifahren und halte es für wesentlich gefährlicher, als effusive Vulkanausbrüche zu beobachten: Speed kills!
