Ätna: Explosionsgeräusche vom Gipfel

Neue Explosionsgeräusche vom Ätna-Gipfel – Lavastrom kühlt ab

Auf der Thermalcam des INGV sieht man heute Abend, dass sich der Lavastrom im unteren Bereich des Valle del Bove abzukühlen scheint. Es ist aber nicht klar, ob die Eruption beendet ist oder ob ein weiterer Lavaschub kommen wird. Dafür wurden heute Mittag aber starke Explosionsgeräusche aus dem Gipfelbereich gehört. Der Tremor ist nach einigen Fluktuationen im gelben Bereich wieder im unteren roten Bereich unterwegs und zeigt das Muster wie während der erhöhten Aktivität am Nordostkrater.




Wie das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV), Ätna-Observatorium, in mehreren Bulletins mitteilte, hat sich die seismische Situation im Tagesverlauf nicht grundlegend verändert, bewegt sich jedoch weiterhin auf hohem Niveau.

Besonders auffällig sind die hohen Werte des vulkanischen Tremors, dessen Quellen nach wie vor östlich des Gipfelkraters Voragine lokalisiert werden, in einer Höhe von rund 2.900 Metern über dem Meeresspiegel. Die Tremoramplitude setzt einen bereits zuvor beobachteten langsamen Anstieg fort und wird von langperiodischen Schwankungen überlagert, die jeweils etwa zehn Stunden andauern.

Direkte Beobachtungen des Gipfelbereichs waren aufgrund dichter Bewölkung über weite Strecken des Tages nicht möglich. Dennoch meldeten INGV-Mitarbeiter vor Ort deutlich hörbare Knallgeräusche, die auf explosive Aktivität im Gipfelbereich hindeuten. Auch die Auswertung von Infraschallsignalen blieb wegen starker wetterbedingter Störgeräusche unzuverlässig.

Parallel dazu ist das effusive Geschehen an der Ostflanke weiterhin aktiv. Überwachungskameras und Feldbeobachtungen zeigen, dass sich das Lavafeld im Valle del Bove fortsetzt. Die am weitesten vorgedrungene Lavafront befindet sich derzeit auf etwa 1.360 Metern Höhe. Weiter oberhalb, zwischen 1.400 und 1.600 Metern, sind mehrere sich überlappende Lavaströme zu erkennen.

Die geodätischen Messnetze liefern ein differenziertes Bild: Während im hochfrequenten GNSS-Netzwerk keine nennenswerten Veränderungen registriert wurden, zeigen Dehnungsmessungen ein oszillierendes Muster aus schnellen Kompressionsphasen, stabilen Abschnitten und anschließender Dekompression. Seit Beginn dieser Phase wurden etwa +10 Nanodehnungen akkumuliert; ein ähnlicher Trend wird auch von Neigungsmessgeräten bestätigt.

Insgesamt deutet die aktuelle Datenlage auf eine anhaltend aktive, aber bislang stabile Situation hin. Die Entwicklung wird vom INGV weiterhin engmaschig überwacht.