Lavastrom am Ätna weiterhin aktiv – Zugangskontrollen zum Valle del Bove aktiv durchgeführt
Der Lavastrom im Valle del Bove (Tal des Ochsen) am sizilianischen Vulkan Ätna ist weiterhin aktiv. Trotz des schlechten Wetters ist die Lavafront auf der Thermalcam sichtbar. Sie liegt knapp unterhalb der Wolkendecke. Der Stärke des Signals nach zu urteilen, ist ein neuer Lavaschub unterwegs. Berichten zufolge gibt es am Zugang zum Valle del Bove bei Pietracannone Kontrollen: Man darf sich der Lavafront nur mit Begleitung eines zertifizierten Vulkanführers einer bestimmten Vereinigung bis auf 200 Meter nähern. Selbst andere Vulkanprofis sind von der Regelung nicht ausgenommen.

Einerseits kann ich verstehen, dass die Behörden besorgt sind, Unfälle vermeiden wollen und den Zugang zum Eruptionsgebiet limitieren, andererseits finde ich es erstaunlich, dass nicht differenziert wird und auch Vulkanprofis und Pressevertreter von der Regelung nicht ausgenommen sind, insbesondere, da die Risiken an einem Lavastrom auf flachem Gelände bei weitem nicht so groß sind wie direkt an einem explosiv tätigen Krater. Der Vulkan- und Pressefotograf und Gründer von EtnaWalk, Giuseppe Distefano, postete auf FB, dass es aber offenbar doch Ausnahmen gibt, wenn man eine hochgestellte Persönlichkeit ist, die über entsprechende Beziehungen verfügt. So beobachtete er, wie eine ihm bekannte Person in Begleitung von 2 Freunden an den Posten vorbei marschierte, ohne sich in der Besucherliste eintragen zu lassen, was die Posten akzeptierten. Der Vorgang führte zu einiger Empörung im Netz. Den Kommentaren ist zu entnehmen, dass die Verbotspolitik am Ätna (und nicht nur dort) vielen Menschen auf die Nerven geht!
Bilder dokumentieren allerdings auch den großen Besucheransturm: So ist die kurvenreiche Straße zwischen Milo und dem Valle del Bove am Wochenende komplett zugeparkt gewesen. Aufnahmen vom 3. Januar zeigen, wie sich Hunderte Schaulustige unmittelbar vor der Lavafront aufbauten. Etwas, was natürlich auch nicht geht.
Aus einem aktuellen Bericht des INGV geht hervor, dass die Lavafront, die gestern in etwa 1400 m ü. NN zum Stillstand gekommen war, inzwischen eine Höhe von rund 1360 m ü. NN erreicht hat und sich mit den Lavazungen der vorhergehenden Tage vereinigte. Auf etwa 1500 m ü. NN, wurde zudem ein neuer aktiver Lavastrom festgestellt, der sich ebenfalls mit den bestehenden Strömen überlagert.
Aus seismologischer Sicht zeigte die mittlere Amplitude des vulkanischen Tremors ab etwa 00:00 UTC am 5. Januar einen langsamen und kontinuierlichen Anstieg, der gegen 05:20 UTC seinen Maximalwert erreichte. Anschließend folgte ein abrupter Rückgang der Amplitude, die derzeit auf einem niedrigen Niveau liegt. Die Quelle des vulkanischen Tremors wird nordwestlich des Südostkraters in einer Höhe von etwa 1500 bis 2000 m über dem Meeresspiegel lokalisiert, was eine Verlagerung der Tremorquelle darstellt: bislang lagen die Signale unter dem Nordostkrater. Möglicherweise deutet sich hier an, dass der Südostkrater aktiv wird.
Um 05:19 UTC wurde zudem ein deutliches seismisches Signal registriert, das insbesondere an den Gipfelstationen etwa zwei Minuten anhielt. Dieses Ereignis steht weder mit Bruchprozessen noch mit explosiver Aktivität in Zusammenhang, sondern wird vermutlich durch einen Erdrutsch verursacht.