Am Ätna bleibt es spannend: Ascheemissionen und Bodenhebung entlang der Pernicana-Störung
Am sizilianischen Vulkan Ätna bleibt es auch nach dem Ende der jüngsten Eruptionen Anfang Juli spannend: Der Zentralkrater emittiert kleine Aschewolken von brauner Färbung und im jüngst veröffentlichten INGV-Update wurde erstmalig seit langer Zeit explizit eine Bodenhebung unter der Nordflanke des Ätnas erwähnt. Ihre Lage entlang der Pernicana-Störung ist äußerst brisant. Es besteht die Möglichkeit, dass sich Ätna mittelfristig auf eine größere Eruption vorbereitet.

Am Mittwoch wurden in den sozialen Medien Aufnahmen brauner Ascheemissionen aus dem Krater Bocca-Nuova veröffentlicht. Die Emissionen stiegen wiederholt mehrere zehner Meter über den Gipfel auf und waren Minuten lang aktiv. Bereits in den vergangenen Tagen hatte sich die Aktivität des Kraters deutlich verstärkt. Erste aschehaltige Emissionen wurden bereits am Montag gesichtet. Nach Einschätzung der Vulkanologen handelt es sich aufgrund der braunen Färbung der Asche wahrscheinlich nicht um frisch fragmentiertes Magma. Vielmehr dürfte überwiegend älteres Material aus einer Schlotfüllung ausgeworfen werden, das durch aufsteigende vulkanische Gase und kleinere Explosionen aus dem Förderschlot herausgerissen wird. Solche Ascheemissionen gelten häufig als Zeichen dafür, dass sich der Schlot im Inneren des Vulkans allmählich freiräumt. Sie können allerdings auch auf ein Zusammenbrechen der Schlotwände hindeuten, wenn der Magmaspiegel im Fördersystem abfällt.
Im jüngsten Wochenbericht des italienischen Vulkaninstituts INGV wird zudem erstmals seit langem eine leichte Bodendeformation erwähnt. Entlang der Pernicana-Verwerfung an der Nordostflanke nahm der Abstand zwischen den beiden GNSS-Messstationen Monte Corruccio und Crisimo geringfügig zu. Diese Veränderung kann auf Spannungsumlagerungen im Vulkangebäude oder langsame Bewegungen der Ostflanke zurückzuführen sein. Die Pernicana-Verwerfung zählt zu den aktivsten tektonischen Strukturen des Ätna und spielt eine wichtige Rolle bei der seitlichen Verschiebung der Vulkanflanke. Größere Deformationen könnten Vorzeichen einer sich anbahnenden Flankeneruption sein und erhöhen zudem das Erdbebenrisiko entlang der signifikanten Störungszone deutlich.
Das INGV betont allerdings, dass die gemessene Deformation bislang nur gering ausfällt. Weitere auffällige Bodenbewegungen wurden nicht registriert. Auch die übrigen Überwachungsdaten zeichnen derzeit das Bild eines moderat aktiven Vulkans. Der vulkanische Tremor bewegt sich überwiegend im mittleren Bereich, die Schwefeldioxid-Emissionen liegen auf durchschnittlichem Niveau und die thermische Aktivität blieb in den Satellitendaten gering, obgleich auf Copernicus-Satellitenfotos weiterhin eine thermische Anomalie im Nordostkrater sichtbar ist.
Die Tremorquellenanalyse ist insofern interessant, als dass sich der Tremor mittlerweile auf einen kleinen Bereich zwischen Südost und Zentralkrater beschränkt und sich nicht mehr gangartig bis weit in den Nordwesten erstreckt. Möglich, dass Ätna im Gipfelbereich zu seinem wohlbekannten Aktivitätsmuster zurückkehrt, wie wir es fast 2 Jahrzehnte lang gewohnt waren.