Indisches Einkaufszentrum von Fluten mitgerissen – Monsun löst verheerende Sturzflut in Kaschmir aus
Sintflutartige Regenfälle haben im indischen Unionsterritorium Jammu und Kaschmir eine verheerende Sturzflut ausgelöst. Besonders dramatisch war die Situation in der Kleinstadt Beerwah im Distrikt Budgam, wo ein mehr als 15 Geschäfte umfassendes Einkaufszentrum vom Hochwasser untergraben wurde und spektakulär in einen reißenden Fluss stürzte. Augenzeugen filmten, wie die Wassermassen zunächst das Ufer unterspülten, bevor das Gebäude innerhalb weniger Sekunden nachgab und vollständig von den Fluten verschlungen wurde. Die Aufnahmen verbreiteten sich weltweit viral in den sozialen Medien.

Die Naturkatastrophe wurde durch außergewöhnlich intensive Monsunniederschläge im Einzugsgebiet des Sukhnag-Flusses ausgelöst. Während in Beerwah 38 Millimeter Regen gemessen wurden, fielen in den höher gelegenen Quellregionen um Tosa Maidan schätzungsweise mehr als 100 Millimeter innerhalb kurzer Zeit. Die Wassermassen sammelten sich in den steilen Gebirgstälern des westlichen Himalayas und schossen mit hoher Geschwindigkeit talwärts. Meteorologen halten es für möglich, dass ein lokaler Wolkenbruch die Flut zusätzlich verstärkte.
Solche Sturzfluten werden auch durch die Geologie bzw. Morphologie der Region begünstigt: Die jungen Himalaya-Gebirge bestehen aus stark zerklüftetem und verwittertem Gestein. Die steilen Hänge leiten Niederschläge schnell in die Flüsse ab, während lockere Sedimente und erosionsanfällige Uferbereiche leicht erodiert werden. Im Fall von Beerwah unterspülte der angeschwollene Sukhnag zunächst die Uferbefestigungen und anschließend die Fundamente des Einkaufszentrums, sodass das Gebäude schließlich kollabierte. Auch eine provisorische Flussquerung wurde zerstört, eine im Bau befindliche Brücke beschädigt.
Beim Einsturz des Gebäudes kamen nach bisherigen Erkenntnissen keine Menschen ums Leben. Allerdings forderten die Fluten in der Region mindestens ein Todesopfer: Ein Mann wurde beim Versuch, einen angeschwollenen Bach zu überqueren, von der Strömung mitgerissen. Darüber hinaus entstanden Schäden an Geschäften, Straßen und Hochwasserschutzanlagen.
Die Ereignisse stehen mit einer großräumigen Monsunlage im Zusammenhang, die derzeit weite Teile des Himalaya-Raums erfasst. So gab es in den letzten Tagen in vielen Regionen Indiens katstrophale Überflutungen. Auch im benachbarten Afghanistan führten dieselben Wetterbedingungen zu Sturzfluten und Erdrutschen. Besonders die Provinz Nuristan wurde schwer getroffen, wo mindestens 26 Menschen starben und zahlreiche Gebäude zerstört wurden. Zwar handelt es sich nicht um dieselbe Flutwelle, doch beide Katastrophen wurden durch dasselbe großräumige Monsunsystem ausgelöst.
In den steilen Gebirgslandschaften Südasiens können solche extremen Niederschläge innerhalb weniger Stunden verheerende Sturzfluten und Massenbewegungen auslösen – eine Gefahr, die durch den Klimawandel und die zunehmende Intensität extremer Regenereignisse voraussichtlich weiter zunehmen wird.