Ätna: plötzlicher Tremoranstieg Ende des Monats

Tremor am Ätna steigt plötzlich an – Erdbeben in mittleren Tiefen

Am Ätna auf Sizilien steigt der Tremor seit dem Abend des 27. Februars deutlich an. Da die farbcodierte Messstation ECPN offline ist, müssen wir mit den Daten der Messstation EMFS vorliebnehmen und können nicht die üblichen Maßstäbe in der Lagebeurteilung ansetzen Dennoch zeigt der Verlauf der Messkurve, dass die Amplitude des Tremors schnell von niedrigen auf mittelhohe Werte angestiegen ist, wobei der Trend heute Morgen etwas verlangsamt anhält.

tremor
Tremor am Ätna. © INGV

Ein plötzlicher Anstieg der Tremoramplitude steht normalerweise mit einer Verstärkung der Fluidbewegungen im Untergrund in Verbindung. Am Ätna handelt es sich bei den Fluiden oft direkt um aufsteigendes Magma, aber auch um Gase. Nachdem die Erdbebenaktivität Mitte des Monats sehr gering war und es zwischen dem 15. und 23. Februar überhaupt keine registrierten Erdbeben gab, stieg die Seismizität in der letzten Woche wieder an und es wurden 13 Beben registriert, die meisten davon in mittleren Tiefen. Im Februar war die Erdbebenaktivität mit 52 detektierten Erschütterungen gering.

In Bezug auf die thermische Strahlung zeigt uns der Ätna die kalte Schulter: Sie ist in diesem Wintermonat geringer als sonst gewesen und aktuelle Sentinel-Fotos zeigen keine Hotspots in den Kratern. Es ist bestenfalls eine diffuse Wärmestrahlung auszumachen, die vom Boden der Bocca Nuova ausgeht.

quellen
Tremorquellen. © INGV

Das jüngste INGV-Bulletin zum Ätna, das am 24. Februar veröffentlicht wurde, bietet keinerlei Überraschungen und attestiert dem Ätna normale Hintergrundaktivität bei moderaten Werten in Bezug auf Geochemie und Geophysik. Einzig die Tremorquellenanalyse bleibt interessant, denn sie zeigt weiterhin den Trend, der schon in den Vorwochen zu beobachten war: Unter dem nördlichen Sektor des Kraterkomplexes scheint Magma aufzusteigen und sich in einer schmalen Zone zu akkumulieren, die ungewöhnlich weit in den Westen vordringt. Außerdem gab es unter dem Pizzo Deneri schwachen Tremor.

Wann die nächste Eruption am Ätna einsetzen wird, lässt sich nicht prognostizieren. Die schnell steigende Tremoramplitude könnte andeuten, dass eine neue Aktivitätsphase kurz bevorstehen könnte. Allerdings stieg der Tremor bis jetzt nur auf mittelstarke Werte, bei denen noch nicht mit einem Ausbruch zu rechnen ist. Sollten in den nächsten Stunden hohe Werte erreicht werden, sieht die Sache anders aus. Am ehesten ist mit Aktivität aus dem Nordostkrater zu rechnen, oder mit einer subterminalen Spaltenöffnung im Norden des Gipfelbereichs.