Anak Krakatau: Gefahr weiterer Paroxysmen groß

Weitere Explosionen und Erdbeben am Anak Krakatau – Gefahr weiterer Paroxysmen ist hoch

Am indonesischen Inselvulkan Anak Krakatau hat sich die eruptive Tätigkeit nach dem großen Ausbruch vom vergangenen Wochenende deutlich abgeschwächt, ist aber keineswegs beendet. Nachdem das VSI am Montag keine weiteren Explosionen registrierte, setzten in der Nacht zum Dienstag, dem 8. September, wieder Explosionen ein. Sie ereigneten sich um 05:08, 05:34, 07:49, 11:34 und 17:56 Uhr Ortszeit. Die dabei aufgezeichneten seismischen Signale erreichten Amplituden von 44 bis 54 Millimetern und dauerten bis zu 31 Sekunden. Aschewolken stiegen bis auf 2100 m Höhe. Außerdem ist die vulkanisch bedingte Erdbebentätigkeit erhöht, so dass ich weitere Paroxysmen für möglich halte.

Bevor die Eruptionen heute wieder einsetzten, wurde zuletzt am 6. September eine 44 Sekunden dauernde Eruption mit einer maximalen Amplitude von 58 Millimetern vom VSI registriert. Dennoch meldete das VAAC Darwin weiterhin Vulkanasche in der hohen Atmosphäre.

Heute registrierte das VAAC Darwin eine Aschewolke, die bis auf eine Höhe von 2100 m aufgestiegen ist und nach Süden driftete. Damit liegt die aktuelle Aktivität weit unter dem großen Paroxysmus vom 4./5. September, bei dem Asche bis in etwa 15 Kilometer Höhe gelangte. Interessant wird die Einschätzung des VSI des Paroxysmus sein. Mehrere Social-Media-Autoren bezeichneten den Paroxysmus als die stärkste Eruption seit der Katastrophe von 1883. Eine Einschätzung, die ich nicht teile. Dieser Superlativ wird wahrscheinlich weiterhin vom Ausbruch vom 22. Dezember 2018 gehalten, als es zum Flankenkollaps kam, der einen Tsunami auslöste. Die Aschewolke erreichte damals eine Höhe von 18 Kilometern. Der Ausbruch wurde mit einem VEI 4 klassifiziert, während ich den Paroxysmus vom 4. bis 5. September mit einem VEI 3 einschätze. Solche Eruptionen kam in der Geschichte von Anak Krakatau erst 2 Mal vor.

Dass es weitere Paroxysmen geben könnte, ist an der immer noch deutlich erhöhten Seismizität abzulesen. Am 7. September wurden unter anderem 61 niederfrequente Beben, 89 Hybridbeben, 26 harmonische Tremore sowie neun tiefe vulkanische Erdbeben registriert. Das spricht für anhaltende Magmabewegung und Druckschwankungen im vulkanischen Fördersystem.

Entspannung gibt es inzwischen immerhin im Luftverkehr. Von den zunächst acht wegen Vulkanasche geschlossenen Flughäfen haben fünf wieder geöffnet. Dazu gehört auch der wichtige Soekarno-Hatta International Airport bei Jakarta, der am Dienstag den Betrieb wieder aufnahm. Die Wiederaufnahme erfolgt allerdings schrittweise, so dass der reguläre Flugbetrieb nur langsam ins Rollen kommt.

Quellen: VAAC Darwin, VSI/MAGMA, GVP, Studie: https://doi.org/10.1016/j.epsl.2021.117332