Azoren: Spürbares Erdbeben Mb 4,6 vor São Jorge

Mittelstarkes Erdbeben Mb 4,6 vor der Küste von São Jorge – Neue Erkenntnisse zur seismischen Krise 2022

Datum: 10.05.2026 | Zeit: 12:21:22 UTC | Koordinaten: 38.435 ; -27.698 | Tiefe: 10 km | Mb 4,6

Ein Erdbeben der Magnitude 4,6 hat am Sonntagmittag die Zentralgruppe der Azoren erschüttert und auf mehreren Inseln deutlich spürbare Erschütterungen ausgelöst. Nach Angaben des seismovulkanischen Informations- und Überwachungszentrums der Azoren (CIVISA) ereignete sich das Beben am 10. Mai um 12:21 Uhr Ortszeit. Das Hypozentrum lag in ca. zehn Kilometern Tiefe, das Epizentrum etwa drei Kilometer nordwestlich von Santo Antão auf der Insel São Jorge. Zwei schwächere Nachbeben lagen kurz vor der Küste.

São Jorge. ©; EMSC/Leaflet

Besonders stark wurde das Beben auf São Jorge wahrgenommen. In den Ortschaften Santo Antão und Topo erreichte die Intensität Werte von V bis VI auf der modifizierten Mercalli-Skala. Bewohner berichteten dort von deutlich spürbaren Erschütterungen und klirrendem Geschirr, was zu kurzfristiger Verunsicherung führte. Weitere Gemeinden meldeten Mercalli-Intensitäten um V. Selbst auf den Nachbarinseln Pico, Terceira und Graciosa war das Beben deutlich zu spüren und auf Faial war es immerhin noch schwach wahrnehmbar.

Obwohl ein Erdbeben dieser Magnitude auf den Azoren nicht ungewöhnlich ist, lenkt das Ereignis den Blick auf die vulkanisch aktive Insel São Jorge, wo es bereits im Jahr 2022 eine seismische Krise gab, über die Vnet ausführlich berichtete: Tausende vulkanotektonische Erdbeben schürten Sorge vor einem Vulkanausbruch. Zu einer Eruption kam es jedoch überraschenderweise nicht.

Eine am 6. Mai veröffentlichte internationale Studie in der Fachzeitschrift Nature Communications liefert nun neue Erkenntnisse über diese Episode. Demnach stieg Magma aus Tiefen von über 20 Kilometern auf und stoppte erst 1,6 Kilometer unter der Oberfläche. Tektonische Störungen erleichterten zwar den Aufstieg des Magmas, verhinderten jedoch offenbar zugleich dessen Durchbruch. Forschende sprechen deshalb von einem „verkappten“ beziehungsweise gescheiterten Ausbruch.

Die Untersuchung basiert auf Daten von insgesamt 83 Messstationen, darunter temporär installierte Ozeanboden-Seismometer. Sie zeigt, dass ein großer Teil der Magmabewegung zunächst nahezu ohne deutliche seismische Signale verlief – ein Umstand, der die Überwachung aktiver Vulkansysteme weltweit vor Herausforderungen stellt. CIVISA beobachtet die aktuelle Entwicklung auf São Jorge weiterhin genau. Der Alarmstatus steht seit 2024 auf „V1“.

Zudem steht die Vulkanwarnampel an zwei Vulkanen auf der Azoreninsel Terceira seit Februar 2026 auf „V2“. Der Alarm wurde aufgrund erhöhter Erdbebenaktivität gegeben und bis jetzt nicht wieder aufgehoben. Es ist also nicht ausgeschossen, dass wir hier in nächster Zeit einen Vulkanausbruch erleben werden.