Campi Flegrei: Diskussion des Schwarmbebens vom 7. April

Starker Erdbebenschwarm lenkt erneut die Blicke auf die Campi Flegrei – Forscher diskutieren das Geschehen

Der Erdbebenschwarm, der gestern die süditalienische Caldera Campi Flegrei heimsuchte, lenkte das öffentliche Interesse wieder auf die neapolitanische Region, insbesondere da es nicht nur ein spürbares Erdbeben der Magnitude 3,3 gab, sondern parallel auch einen weiteren Erdbebenschwarm am benachbarten Vulkan Vesuv. Aus Sicht der INGV-Geoforscher besteht zwischen diesen beiden Ereignissen aber kein Zusammenhang. Allerdings sind sich der frühere Direktor des Vesuv-Observatoriums und die aktuelle Direktorin darin einig, dass die magmatischen Prozesse unter den Campi Flegrei weitergehen und langfristig die Gefahr eines Vulkanausbruchs besteht.


Seismogramm
Seismogramm. © INGV

Das Schwarmbeben gestern bestand aus 16 Beben mit Magnituden größer als Null. Die stärkste Erschütterung hatte eine Magnitude von 3,3, die zweitstärkste brachte es auf Md 2,6. Insgesamt wurden mehr als 60 Beben im Tagesverlauf registriert. Würde man KI-gestützte Methoden anwenden, wie es Geoforscher zuletzt auf Santorin und Teneriffa gemacht haben, würde man wahrscheinlich Hunderte oder sogar Tausende weitere Mikrobeben aus den Daten auslesen können.

Das aktuelle Monatsbulletin für den März enthüllt zudem, dass es in diesem Monat 178 Erdbeben gab. Es wurden einige Ereignisse mit niedrigen Frequenzen detektiert, die direkt durch Fluidbewegungen zustande kamen. Diese lagen in geringen Tiefen unter dem Monte Olibano im Gebiet der Akademie. Seit 2005 hob sich der Boden um bis zu 1635 mm.

In regionalen Onlinemedien und dem Fernsehsender TGR wurden Interviews mit der amtierenden Direktorin des Observatoriums Lucia Pappalardo und dem früheren Direktor Giuseppe De Natale veröffentlicht, die beide eine gemeinsame Kernaussage beinhalten: Obwohl Bodenhebung und Seismizität der Caldera in den letzten Wochen vergleichsweise gering waren und seit letztem September keine Erdbeben mit Magnituden im Viererbereich mehr aufgetreten sind, halten die zugrunde liegenden Prozesse der Unruhen weiter an. Die Bodendeformation, deren Hebegeschwindigkeit aktuell 10 mm pro Monat beträgt entspricht mit diesem Wert dem langjährigen Mittel. Sie unterliegt einem gewissen Schwankungsspektrum und kann mal unter diesen Wert fallen, als auch darüber hinaus steigen. Der Trend zur Aufheizung und Druckbeaufschlagung des Systems hält an und wird von Magma angefeuert, das sich zum größten Teil in 8 Kilometer Tiefe befindet. Flachere Reservoirs können nicht ausgeschlossen werden.

Meiner Meinung nach kommen Phasen mit erhöhter Dynamik dann zustande, wenn ein magmatischer Gang in geringere Tiefe intrudiert, was mit einer Zunahme der Erdbebenaktivität und stärkerer Bodenhebung einhergeht. Auch der Gasausstoß nimmt in diesen Phasen besonders zu. Aktuell sind die Gasemissionen weiterhin hoch und entsprechen dem eines aktiven Vulkans. Täglich werden bis zu 1200 Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Der Alarmstatus der Campi Flegrei steht seit 2012 auf „Gelb“. Momentan gibt es keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch. Sollte es diese geben, wird die Alarmstufe „Orange“ ausgerufen.

Giuseppe De Natale ist überzeugt: Seitdem in den 1950er Jahren der Bradyseismos der Campi Flegrei einsetzte, befindet man sich in einer Phase, wie sie in historischen Aufzeichnungen vor dem Monte-Nuovo-Ausbruch von 1538 beschrieben wurde. Diese Phase dauerte gut 100 Jahre. Aktuell sind 76 Jahre seit dem Ende der Subsidenz-Phase der Campi Flegrei vergangen, die seit dem letzten Ausbruch anhielt. Sollte sich der Vulkan an dem früheren Schema halten, hätte man also noch 24 Jahre Zeit, um sich in Pozzuoli und Neapel auf eine Katastrophe einzustellen. Wie wir aber wissen, gibt es „Schema F“ in Bezug auf den Vulkanismus nicht: Vulkane sind äußerst dynamische Systeme, deren Verhalten nur schwer vorhersehbar ist. Im Prinzip könnte die Situation deutlich schneller eskalieren, oder aber auch viel später oder gar nicht. Da der Mensch aber einen Rahmen für seine Handlungen benötigt, sollte man meiner Meinung nach davon ausgehen, dass es in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten zu einem Ausbruch kommt.