Campi Flegrei: Erdbeben unter dem Vulkan verursacht Schäden

Stärkstes je gemessenes Erdbeben der Magnitude Md 4,7 erschütterte die Campi Flegrei – Schäden und Verletzte

Datum: 31.07.2026 | Zeit: 17:46:44 UTC | Koordinaten: 40.8315 ; 14.1402 | Tiefe: 2,6 km | Md 4,7

Der süditalienische Calderavulkan Campi Flegrei wurde heute Abend nicht nur vom stärksten Erdbeben der aktuellen Hebungsphase erschüttert, sondern vom stärksten Erdstoß, der dort seit Beginn der modernen instrumentellen Überwachung registriert wurde. Die Magnitude lag nach vorläufigen Angaben bei Md 4,7. Der als mittelstark einzustufende Erdstoß blieb nicht ohne Folgen: Neben Gebäudeschäden und Felsstürzen wurden mindestens vier Personen verletzt, außerdem kam es zu einem kurzzeitigen Stromausfall.


Campi Flegrei. © INGV

Das Epizentrum lag nicht direkt unter dem Stadtzentrum von Pozzuoli oder dem Areal von Rione Terra mit der größten Bodenhebung, sondern unter dem Nordrand des Solfatarakraters. Das Hypozentrum befand sich in nur 2,6 Kilometern Tiefe, was nicht nur die außergewöhnlich starke Spürbarkeit des Bebens erklärt, sondern auch die vergleichsweise großen Schäden, die trotz der nur mittelstarken Magnitude entstanden.

Der Erdstoß ereignete sich um 19:46:44 Uhr MESZ (17:46:44 UTC) und überraschte viele Menschen, die sich noch in der Stadt aufhielten oder gerade auf dem Heimweg von der Arbeit befanden. Es folgten zwei weitere stärkere Erdstöße der Magnituden 2,9 und 3,8, deren Epizentren vor der Küste von Pozzuoli lagen und die die ohnehin verunsicherten Anwohner zusätzlich beunruhigten. Dabei handelt es sich nur um die stärksten Erschütterungen eines ausgeprägten Erdbebenschwarms, der bislang geschätzte150 Einzelbeben umfasst. Der Schwarm dürfte noch einige Zeit andauern und sich zu einem der intensivsten Erdbebenschwärme der aktuellen Hebungsphase entwickeln, die inzwischen seit 21 Jahren anhält.

Die auf Fotos und Videos dokumentierten Schäden sind zwar nicht flächendeckend katastrophal, haben aber dennoch ein erschreckendes Ausmaß. Von mehreren Gebäuden stürzten Fassadenteile herab und fielen auf Straßen und Gehwege, wo sie Fahrzeuge unter sich begruben. Außerdem kam es zu größeren Felsstürzen, bei denen tonnenschwere Gesteinsblöcke Autos wie Coladosen zerquetschten.

Durch die Zufahrt zum Fährhafen zieht sich ein Riss und der Hafen wurde vorsorglich gesperrt, wodurch der Fährverkehr zu den Inseln zum Erliegen kam, was insbesondere den Touristen auf der beliebten Ferieninsel Ischia ungelegen kommen dürfte.

Sollte es tatsächlich bei vier Verletzten bleiben, wäre dies angesichts der Schäden und der Stärke des Bebens noch ein vergleichsweise glimpflicher Ausgang.

Für viele Menschen dürfte das Erdbeben überraschend gekommen sein, nachdem es in den vergangenen Wochen immer wieder ruhigere Phasen gab, in denen über mehrere Tage hinweg keine oder nur sehr wenige Erdbeben registriert wurden. Doch wie ich bereits mehrfach schrieb, sind solche ruhigeren Phasen kein Grund zur Entwarnung oder für eine nachlassende Wachsamkeit, solange die Bodenhebung anhält und auch andere geophysikalische Parameter von einem Fortgang der magmatischen Prozesse im tieferen Untergrund der Caldera zeugen. Ruhigere Phasen gehören vielmehr zum typischen schwankenden Verlauf der Bodenhebungsphase und schließen stärkere Erdbeben keineswegs aus. Des Weiteren besteht jederzeit die Gefahr phreatischer Eruptionen, insbesondere im Bereich von Pisciarelli und der Solfatara. Vor diesen gibt es ebensowenig Vorwarnung wie vor den stärkeren Erdbeben.