Teneriffa: Weiterhin hohe Erdbebenaktivität unter Vulkan Teide

Weiterhin erhöhte Seismizität unter dem Teide auf Teneriffa – mehr als 600 Erdbeben registriert

Die seismische Aktivität auf den Kanarischen Inseln bleibt weiterhin signifikant erhöht. Nach Angaben des aktuellen Wochenberichts des vulkanologischen Informationssystems GUAYOTA wurden zwischen dem 24. und 31. Juli 2026 insgesamt 623 schwache Erdbeben im Archipel registriert. Der Schwerpunkt der Aktivität konzentriert sich dabei auf den Vulkan Teide auf Teneriffa sowie auf das submarine Gebiet des Vulkans Enmedio zwischen Teneriffa und Gran Canaria.

Guayota

Das stärkste Erdbeben der vergangenen Woche erreichte eine Magnitude von 2,8. Es ereignete sich am Montag, dem 27. Juli, im Meeresgebiet zwischen den beiden Inseln, unweit des submarinen Vulkans Enmedio. Da dort auch Störungszonen verlaufen, muss es sich nicht zwangsläufig um ein vulkanisch bedingtes Erdbeben gehandelt haben. Die übrigen Beben wiesen überwiegend geringe Magnituden auf und wurden vor allem in Tiefen registriert, die typisch für die Erdbebentätigkeit der letzten Monate sind und sich in Tiefen zwischen 10 und 15 Kilometern abspielen. Insgesamt setzte die Erdbebenserie der vergangenen Wochen damit ihre hohe Aktivität fort. Die gesamte freigesetzte seismische Energie des Archipels belief sich im Berichtszeitraum auf 0,174 Gigajoule.

Bemerkenswert finde ich, dass im Guayota offenbar nur tektonische und vulkanotektonische Erdbeben Erwähnung finden – die gut 4500 Hybriderdbeben zwischen dem 21. und 24. Juli werden weder in dem aktuellen noch in dem vorherigen Wochenbericht erwähnt.

Trotz der erhöhten Erdbebentätigkeit wurden in der vergangenen Woche keine relevanten Veränderungen der Bodenverformung festgestellt. Auch die geochemischen Messungen zeigen keine kurzfristigen Veränderungen, die auf eine unmittelbare vulkanische Reaktivierung des Systems hindeuten würden. Allerdings werden auf Teneriffa weiterhin erhöhte diffuse Kohlendioxid-Emissionen gemessen. Diese stehen mit einem seit 2016 bekannten Prozess der Druckaufbauphase im vulkanisch-hydrothermalen System der Insel in Verbindung. Nach Einschätzung der INVOLCAN-Vulkanologen handelt es sich dabei um einen normalen Vorgang in aktiven Vulkansystemen und lässt nicht auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch schließen.

Dennoch sind von anderen Vulkanen Fälle bekannt, in denen Magma innerhalb weniger Tage aus mehr als 10 Kilometern Tiefe aufgestiegen ist, ohne sich längere Zeit in geringerer Tiefe zu akkumulieren und durch verstärkte Bodenhebung, Seismizität und Gasausstoß auf sich aufmerksam zu machen. Aus dem aktuellen Stadium der tiefen Magmenakkumulation unter dem Teide heraus könnte sich im Extremfall schnell eine Eruption entwickeln. Doch nach aktuellem Kenntnisstand besteht kein Grund, evtl. geplante oder schon angetretene Reisen nach Teneriffa zu stornieren.

Der Vulkanstatus der Inseln bleibt unverändert. Für Teneriffa, El Hierro, Lanzarote und Gran Canaria gilt weiterhin die niedrigste Warnstufe Grün. Bewohner und Besucher können ihren Aktivitäten normal nachgehen. Auf La Palma bleibt die Warnstufe dagegen auf Gelb. Mehr als vier Jahre nach dem Ende der Eruption von 2021 zeigen dort geophysikalische und geochemische Messungen weiterhin Abweichungen vom Normalzustand. Die Behörden empfehlen daher weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber offiziellen Informationen des Zivilschutzes.