Kritik an Verkehrschaos und blockierten Fluchtwegen in Pozzuoli – stärkeres Erdbeben der Campi Flegrei würde zu Chaos führen
Die Kritik an Evakuierungsplänen und ausgewiesenen Fluchtrouten in Pozzuoli und Umgebung ist nicht neu, doch jetzt wurde sie vom ehemaligen Direktor des Vesuv-Observatoriums öffentlich zur Diskussion gestellt: Giuseppe De Natale äußerte sich gegenüber italienischen Medien sehr kritisch in Bezug auf die existierenden Notfallmaßnahmen der Kommune Pozzuoli und ist der Meinung, dass ein einziges stärkeres Erdbeben ausreichen würde, um die gesamte Region ins Chaos zu stürzen: Eine geordnete Evakuierung von mehr als einer halben Million Menschen wäre angesichts der problematischen Verkehrslage mit zahlreichen Baustellen, kaputten Straßen und blockierten Notfallwegen schlichtweg unmöglich.

Der Vulkanologe Giuseppe De Natale zeichnet ein alarmierendes Bild der Lage in den Phlegräischen Feldern, insbesondere zwischen Bagnoli und der Via Diocleziano. In einem seit rund 20 Jahren vom Bradyseismus betroffenen Gebiet, in dem Erdbeben zahlreiche Gebäude beschädigt haben, seien wichtige Straßen teils seit Wochen unpassierbar. Gleichzeitig verschärfen Baustellen und der intensive Verkehr schwerer Lastwagen die Situation erheblich, sodass es besonders in Bagnoli regelmäßig zu chaotischen Verhältnissen und stundenlangen Blockaden kommt – auch ohne dass es einen Notfall gibt.
De Natale kritisiert zudem die Notfallplanung als realitätsfern. Konzepte wie funktionierende Fluchtwege oder die Evakuierung von bis zu 600.000 Menschen stünden in starkem Widerspruch zur tatsächlichen Verkehrslage, die im Ernstfall zur Falle für viele Bewohner werden könne. Auch groß angelegte Projekte wie der America’s Cup würden das Chaos weiter verstärken und grundlegenden Prinzipien der Risikovorsorge widersprechen.
Besonders besorgniserregend sei ein mögliches stärkeres Erdbeben, das schnell Panik auslösen könnte. Schon bei Großveranstaltungen komme es zu vollständigen Verkehrsblockaden, wodurch ganze Stadtteile von Fluchtwegen abgeschnitten seien.
Insgesamt bemängelt De Natale gravierende organisatorische Defizite und fehlende praktische Prävention. Seine Analyse stellt die Fähigkeit zur effektiven Bewältigung eines Notfalls in der Region grundlegend infrage.
Marode Infrastruktur auch in potenziellen Erdbebenregionen auf Sizilien
Marode Infrastruktur und Verkehrschaos sind nicht nur ein Problem Pozzuolis und der Campi Flegrei. Auf meiner Sizilienreise zu Ostern wunderte ich mich über die desolaten Straßenzustände im Norden der Insel. Es sind nicht nur die Vulkanregionen wie Ätna und Vulcano betroffen, sondern auch die Großstädte Catania und Palermo. In der gesamten Region besteht latent ein großes Erdbebenrisiko und wenn neben dem alltäglichen Chaos in schmalen Einbahnstraßen und kaputten Stadtumfahrungen noch Blockaden durch eingestürzte Häuser dazukommen, wird nichts mehr gehen. Auch das Autobahnkonzept mit Abfahrten über Hochstraßen auf ebenfalls maroden Brücken ist in erdbebengefährdeten Gebieten mehr als fragwürdig Insbesondere da selbst dem Laien auffällt, dass an vielen Brücken der Rost nagt und es bereits zu abgeplatzten Betonstücken kommt. Da darf man sich als steuerzahlender EU-Bürger durchaus fragen, in welchen mafiösen Strukturen Fördergelder versickern!