Island: Schwarmbeben im Süden bei Selfoss

Erdbebenschwarm im Süden von Island: Hinweise auf tektonische Spannungen und mögliche Fluidbewegung

Am Vormittag des 12. Aprils wurde im Süden Islands ein Erdbebenschwarm registriert. Innerhalb weniger Stunden ereigneten sich mehr als 50 Einzelbeben, die sich räumlich in einem engen Cluster konzentrierten, der bei Þjórsárbrú lokalisiert wurde. Außerdem gab es zuvor einige Beben abseits des Clusters im Gebiet von Hestfjall.

Island. © IMO

Die Magnituden bewegten sich größtenteils im Bereich zwischen 0,0 und 2,5. Das stärkste Ereignis erreichte Magnitude 2,5, das aufgrund seiner geringen Herdtiefe von 3,2 Kilometern von Anwohnern wahrgenommen werden konnte. Die Herdtiefen lagen überwiegend in einem sehr flachen Bereich von etwa 2 bis 4 Kilometern. Eine klassische Hauptbeben-Nachbeben-Sequenz ist nicht erkennbar, was den Schwarmcharakter unterstreicht.

Zusätzlich zur Hauptaktivität trat eine kleinere Gruppe von Beben im Bereich des Hengill-Vulkansystems auf, nahe Hrómundartindur. Diese Ereignisse zeigen ähnliche Tiefen und deuten darauf hin, dass die gesamte Region derzeit tektonisch aktiv ist.

Der Schwarm ereignete sich in einer geologisch hochkomplexen Zone Islands. Hier überlagern sich zwei zentrale Strukturen:

  • die East Volcanic Zone, eine aktive Riftzone, in der sich die eurasische und nordamerikanische Platte voneinander entfernen
  • die South Iceland Seismic Zone, eine Transformzone, die horizontale Verschiebungen aufnimmt

Diese Kombination führt regelmäßig zu Spannungsumlagerungen in der Erdkruste und begünstigt die Entstehung von Erdbebenschwärmen.

Der Schwarm liegt zudem in unmittelbarer Nähe des Vulkans Hekla, einem der aktivsten Vulkane Islands, der in den letzten Jahren aber auf eine Eruption warten ließ Auch das geothermisch aktive Hengill-System befindet sich in der Region. Beide Systeme sind bekannt für ihre enge Kopplung zwischen tektonischen Spannungen und magmatischen Prozessen. Möglicherweise verursachten Fluidbewegungen entlang von Störungszonen die Erdbeben.

Situation bei Svartsengi

Bodenhebung Svartsengi. © IMO

Auf der Reykjanes-Halbinsel und hier insbesondere im Svartsengi-Gebiet lassen Erdbeben weiter auf sich warten. Allerdings ist es dort heute sehr windig, sodass schwache Erdbeben der Registrierung entgehen könnten.

Weitere GNSS-Messungen zeigen, dass die Bodenhebung auf geringem Niveau weitergeht und nicht stagniert, wie man anhand früherer – und scheinbar ungenauer – Messungen hätte meinen können. Die Magma-Aufstiegsrate dürfte unter 0,5 Kubikmetern pro Sekunde liegen. Die Gesamtmenge der Magmaakkumulation strebt langsam in Richtung 25 Millionen Kubikmeter seit Ende der letzten Eruption.

Ob und wann es zu einem weiteren Ausbruch kommt, ist Gegenstand von Spekulationen, wissenschaftlich vorhersagen lässt es sich derzeit nicht.