Campi Flegrei: Menschen in Sorge vor dem nächsten Erdbeben

Geophysikalische Parameter der Campi Flegrei folgen nach Erdbeben bekannten Trends – Anwohner in großer Sorge

Gestern schrieb ich über die Proteste der Menschen in Pozzuoli, die von der Regierung bessere Unterstützung fordern, und darüber, dass offenbar nicht alle im Kommunalhaushalt zur Verfügung stehenden Mittel abgerufen wurden, die zur Stabilisierung jener Felswände vorgesehen waren, die beim Erdbeben Md 4,7 am 31. Juli kollabierten und Felsstürze verursachten. Besonders betroffen war eine steil abfallende Felswand am Monte Olibano oberhalb der Via Gerolomini, wo tonnenschwere Felsbrocken Fahrzeuge wie Getränkedosen zerquetschten. Ein in den sozialen Medien veröffentlichtes Foto zeigt nun, dass aus einem der Felssturzblöcke der abgerissene Stahlanker einer Befestigung ragt, die bereits vor Jahren installiert worden war.



Felsanker

Offenbar konnte die Befestigung den Fels nicht in ausreichendem Maße stabilisieren. Dies könnte entweder auf Fehleinschätzungen der Ingenieurgeologen hindeuten, die damals für das Setzen der Felsanker verantwortlich waren, oder darauf zurückzuführen sein, dass das Gestein durch andauernde Hebung und Erdbeben langfristig geschwächt wurde.

Schaut man sich die Lage der kollabierten Felswand auf Satellitenfotos an, erkennt man, dass sie sich in unmittelbarer Nähe zur Einfahrt in den Eisenbahntunnel der Cumana-Linie befindet, der bei dem Beben ebenfalls beschädigt wurde. Das spricht dafür, dass der Monte Olibano besonders instabil ist oder in überdurchschnittlichem Maße von den Erschütterungen getroffen wurde.

Die Via Gerolomini ist eine Parallelstraße zur bekannteren und hangaufwärts gelegenen Via San Gennaro Agnano, die am Eingang zum Solfatara-Krater vorbeiführt. Das Epizentrum des Bebens lag unter dem nördlichen Rand des Solfatara-Kraters. Dieser ist eigentlich ein Maar, wobei Maaren nachgesagt wird, sie seien monogenetisch und würden nur einmal in ihrer Geschichte eruptieren. Auf dem Solfatara-Krater scheint das nicht zuzutreffen, denn nach der phreatomagmatischen Eruption, die vor ca. 4000 Jahren zu seiner Bildung führte, gab es im Jahr 1198 eine weitere phreatische Explosion. Zudem liegt hier das Zentrum der aktuellen hydrothermalen Aktivität der Campi Flegrei.

Zu Beginn der Krise fürchteten sich die Bewohner der Caldera am meisten vor einem sich möglicherweise zusammenbrauenden Vulkanausbruch, der ihr Hab und Gut, aber auch ihr Leben gefährden könnte. Nun legen sie sich jede Nacht mit dem Gefühl der Angst schlafen, von einem noch stärkeren Erdbeben überrascht zu werden, das die teilweise stark geschwächten Häuser über ihnen zusammenstürzen lässt. Die Menschen fordern von den Verantwortlichen seit Jahren mehr Unterstützung, doch diese bleibt weitestgehend aus.

Der aktuelle INGV-Wochenbericht für den Beobachtungszeitraum vom 27. Juli bis 2. August 2026 bestätigt den langjährigen Trend der Druckbeaufschlagung des magmatischen Hydrothermalsystems des Vulkans und veröffentlicht die Erdbebenstatistik zum Schwarm, die im Wesentlichen die bereits von mir veröffentlichten Auswertungen bestätigt: Insgesamt ereigneten sich in dieser Woche 456 Erschütterungen. 245 Erdbeben hatten eine Magnitude größer als Md 0,0. Der stärkste Erdstoß war das bekannte Beben Md 4,7.

Die Geschwindigkeit der Bodenhebung wird weiterhin mit 10 mm pro Monat angegeben. Die Vulkanologen betonen, dass es vor dem Erdbeben keine Auffälligkeiten gegeben habe und die Deformation seit Jahresbeginn weitgehend konstant verlief. Im Zuge des Schwarmbebens kam es jedoch zu einigen Variationen, die noch ausgewertet werden müssen.

Zeitreihe der Bodendeformation in den Campi Flegrei. © INGV

Betrachtet man den Graphen zur Bodenhebung, stellt man fest, dass es zwei Wochen vor dem Erdbeben eine Deflation gab, über die ich bereits berichtet hatte. Damals meinte ich, man müsse noch Korrekturwerte abwarten, um zu sehen, ob sich diese Bodensenkung bestätigen würde. Kurz vor dem Erdbeben gab es einen schnellen Anstieg der Messreihe bis auf Werte, die dem seit Monaten üblichen Trend folgten. Nach dem Erdbeben fielen die (vorläufigen) Werte genauso schnell ab, wie sie zuvor angestiegen waren.

Bei einigen der anderen stärkeren Erdbeben konnte man Tage vor den Erschütterungen ebenfalls einen Rückgang der Hebegeschwindigkeit beobachten. Hier könnte sich ein mögliches Warnsignal andeuten, das meiner Meinung nach weitere Untersuchungen wert ist.