Campi Flegrei: Schulschließung wegen Kohlendioxid

Hohe Kohlendioxid-Konzentrationen und Temperaturen verursachen Schließung einer Schule in Pozzuoli

Im Keller einer Schule in Pozzuoli wurden erneut so hohe Kohlendioxid-Konzentrationen gemessen, dass die Schule heute schließen musste. Neben den hohen Gaswerten wurden ebenfalls erhöhte Temperaturen gemessen, was meines Wissens nach so noch nicht vorkam. Die Behörden veranlassten neben der Schulschließung auch weitere Untersuchungen.

Die Lage der Schule

Das gestern veröffentlichte Wochenbulletin des INGV bestätigte zwar die anhaltende Druckbeaufschlagung des Vulkansystems und präsentierte Daten, die neben der erhöhten Seismizität der letzten Wochen, als es 95 Erdbeben gab, einen leichten Anstieg der Kohlendioxid-Emissionen bei Pisciarelli anzeigten, aber keine Werte feststellten, die hoch genug gewesen wären, um explizit darauf hinzuweisen. Wörtlich heißt es: „Im Gebiet von Pisciarelli, wo in den letzten Jahren die größten Schwankungen im Entgasungsprozess auftraten, zeigten die erfassten CO₂-Flusswerte aus dem Boden in der letzten Woche im Vergleich zu früheren Zeiträumen keine signifikanten Veränderungen und setzten ihren steigenden Trend fort.“ Der steigende Trend war dann möglicherweise doch signifikanter als gedacht.

Bei der geschlossenen Schule handelt es sich um das Petronio-Institut in der Via San Gennaro Agnano, das an der Basis des südöstlichen Flankenbereichs des Solfatara-Kraters liegt. Das Institut ist im Prinzip eine integrierte Mittelschule des staatlichen italienischen Bildungssystems, in dem eine Grund- und Mittelschule vereint ist und bis zu 14 Jahre alte Schüler unterrichtet werden. Wie zum Teufel man auf die Idee kommen kann, eine Schule, in der Kinder und Jugendliche unterrichtet werden, ausgerechnet an dieser Lokation zu errichten, ist mir ein Rätsel!

Petronio-Institut: Die Schule am Vulkanrand und eine gesellschaftliche K.O.-Erklärung!

Die Anlage am Rand der Hölle, erfüllte im Laufe ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte bereits mehrere -gesellschaftlich sensibel zu betrachtende- Funktionen, u.a. als Waisenhaus, Krankenhaus und seit den 1980er-Jahren als Schule. Zu dieser Zeit hatte der Bradyseismos bereits eingesetzt und hätte man nicht nach irgendwelchen dummen Modellen zur Erklärung des Phänomens gesucht (weil man nicht wahrhaben wollte, dass man mitten in einem der gefährlichsten Vulkane Europas lebt), hätte man draufkommen können, dass man sich mitten in (Campi Flegrei) und am Rand (Solfatara) eines Vulkans befindet, der sich möglicherweise auf eine Eruption vorbereitet. Darüber hinaus liegt die Schule gegenüber (andere Straßenseite) des Monte Olibano, dem Epizentrum der Aktivität, wo sich einige der stärksten Erdbeben der Region ereignet haben.

Mit dem Wissen kommt der vernünftig denkende Mensch unweigerlich zu dem Schluss, dass den Italienern ihre Kinder noch weniger Wert sind als den Deutschen! In der Solfatara kann es jederzeit ohne weitere Vorwarnungen zu phreatischen Eruptionen kommen, die im Extremfall Gesteinsbrocken über den Rand des Maars hinausschmeißen. Zudem drohen stärkere Erdbeben und weitere Gasemissionen, wobei ich mir auch ohne zu messen ziemlich sicher bin, dass im Umfeld von Solfatara und Pisciarelli die Langzeitexpositions-Grenzwerte für Schwefeldioxid und CO₂ dauerhaft überschritten werden. Nicht das beste Umfeld für Schüler, die den ganzen Tag den Emissionen ausgesetzt sind. Je nach Windrichtung riecht man überall in dem Gebiet Schwefelwasserstoff! Mit ihm verbreiten sich auch die ansonsten geruchslosen Gase.

Die erhöhten Temperaturen in dem Areal verwundern mich wenig: Die Via Antiniana, wo im letzten Jahr aufgrund erhöhter Fumarolenaktivität der Asphalt schmolz, liegt gerade einmal 150 m Luftlinie von der Schule entfernt. Das Gebiet befindet sich im Zentrum der Magmaakkumulation unter den Campi Flegrei und hierhin schickt man seine Kinder zur Schule. Dümmer geht’s nimmer!