Campi Flegrei mit leichtem Anstieg der Seismizität – Gasausstoß bleibt hoch
Am süditalienischen Calderavulkan nahm die Seismizität nach einer ruhigen Phase in den letzten drei Tagen wieder etwas zu und es wurden 27 schwache Erdbeben registriert. Der stärkste Erdstoß hatte eine Magnitude von 1,0. Stärker war ein Erdbeben Md 1,9, das sich am 5. Mai kurz vor Mitternacht ereignet hatte und die Erhöhung der Seismizität einläutete. Die Tätigkeit könnte sich in den nächsten Tagen weiter zuspitzen, was in das bisherige Verhaltensmuster des Vulkans passen würde.

Die jüngst veröffentlichten Überwachungsdaten für den April zeichnen ein komplexes Bild: Einerseits scheint sich die Dynamik des Bradyseismus im Frühjahr 2026 etwas verlangsamt zu haben, andererseits bleiben zentrale geochemische und geophysikalische Parameter weiterhin auf hohem Niveau und bestätigen den langjährigen Trend der Druckbeaufschlagung. Die Frage, ob sich die Caldera tatsächlich beruhigt oder lediglich eine weitere Phase zyklischer Schwankungen durchläuft, beschäftigt derzeit Geowissenschaftler und Hobbyvulkanologen gleichermaßen und ist natürlich auch für die Anwohner der Caldera von großem Interesse.
Aus dem INGV-Bulletin für den April geht hervor, dass sich insgesamt 314 Erdbeben ereigneten, die meisten konzentrierten sich auf 2 Schwarmbeben Anfang des Monats. Das stärkste Erdbeben am 8. April hatte eine Magnitude von Md 3,4. Im Vergleich zu den besonders intensiven Monaten in 2025 bedeutet dies zwar einen Rückgang der seismischen Aktivität, doch bleibt die Zahl der registrierten Ereignisse im langjährigen Vergleich deutlich erhöht. Seit 2018 dokumentieren die Wissenschaftler einen langfristigen Trend zunehmender Seismizität, sowohl hinsichtlich der Anzahl der Beben als auch der freigesetzten Energie.
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Bodenhebung. Im Frühjahr 2025 steigerte sie sich temporär auf 30 Millimeter pro Monat. Seitdem sank sie zunächst auf 25 Millimeter und liegt seit Februar 2026 nur noch bei rund 10 Millimetern pro Monat. Insgesamt hob sich der Boden im Zentrum der Caldera seit Beginn der aktuellen Unruhephase im Jahr 2005 bereits um 165 Zentimeter. Mehr, als in den Hebungsphasen des letzten Jahrhunderts festgestellt wurden.

Im Bereich des Doms am Monte Olibano sind die Bodendeformationen besonders stark ausgeprägt und verhalten sich anders als in den anderen Hebungsbereichen: Die GNSS- und Tiltmeterdaten zeigen seit einiger Zeit Abweichungen vom „normalen“ radialen Hebungsmuster. Die Anomalie könnte auf anders ablaufende Druckprozesse im Untergrund hindeuten, die möglicherweise von einer Fluidansammlung in geringerer Tiefe verursacht werden.
Für viele Beobachter wirken die Verlangsamung der Bodenhebung und die Verringerung der Seismizität wie ein Zeichen der Entspannung. Doch die geochemischen Daten zeigen, dass es sich um eine trügerische Ruhe handeln könnte: Das hydrothermale System unter der Solfatara unterliegt weiterhin einer fortschreitenden Erwärmung und Druckzunahme. Besonders die hohe Konzentration von Kohlenmonoxid in den Fumarolen gilt als wichtiger Temperaturindikator. Nach Berechnungen des INGV stieg die Temperatur des oberflächennahen hydrothermalen Systems seit den frühen 2000er-Jahren von etwa 215 auf 255 Grad Celsius an. Im Bereich der Solfatara kletterte des Ausstoß an CO₂ um 100 Tonnen am Tag auf 1300 t/d. Das ist z.B. deutlich höher als am eruptierenden Stromboli, wo aktuell ca. 520 Tonnen des Gases am Tag austreten.
Die Gaszusammensetzung deutet weiterhin auf einen starken magmatischen Einfluss hin. Hohe CO₂/H₂O-Verhältnisse sowie Veränderungen der Schwefelgeochemie werden von den Forschern als mögliche Hinweise auf die Entgasung eines aufsteigenden Magmenkörpers in ca. 6 Kilometern Tiefe interpretiert. Gleichzeitig nehmen in Pisciarelli die Schwierigkeiten beim Monitoring zu: Die Schlamm- und Fumarolenzonen haben sich so stark erweitert, dass einige Messpunkte inzwischen nicht mehr sicher zugänglich sind.
Betrachtet man die Daten, erscheint es derzeit unwahrscheinlich, dass die Campi Flegrei in eine echte Ruhephase eintreten. Vielmehr sprechen die Werte für zyklische Fluktuationen innerhalb einer anhaltenden Unruheperiode. Solche zyklischen Entwicklungen sind für große hydrothermal geprägte Calderavulkane typisch.