Island: Erdbebenschwarm bei Hrómundartindi im Hengill-System

Erdbebenschwarm im Hengill-System auf Island – leicht steigende Seismizität bei Svartsengi

Auf Island wurden in den letzten 48 Stunden 137 Erschütterungen registriert. Davon manifestierten sich 47 im Bereich des Vatnajökull an den Zentralvulkanen Bárðarbunga und Askja. Aber auch im Westen Islands gab es Beben, unter anderem am Grjótarvatn nördlich von Borgarnes. Auffällig ist zudem ein Erdbebenschwarm bei Hrómundartindur im Hengill-System unweit des Þingvallavatn, wo 26 Beben mit Magnituden unter Mb 1,5 registriert wurden. Hier läuft das noch zu Reykjanes gehörende Hengill-Spaltensystem aus. Weiter westlich bebt es bei Krýsuvík, Reykjanestá und sogar im Gebiet von Svartsengi/Fagradalsfjall und Grindavík.

Tatsächlich betrachtet gab es in der vergangenen Woche statistisch gesehen täglich ein Beben im Bereich zwischen der Blauen Lagune und Grindavík, also dort, wo die Bodenhebung weiterhin anhält. Die stärkste Bodenhebung wird an der Messstation HS02 registriert, wo sie inzwischen fast 40 cm beträgt. Die Station befindet sich südwestlich der Blauen Lagune. Eine genauere Analyse der Hebungsdaten zeigt zudem, dass sich der Boden in Grindavík seit November um 7 cm angehoben hat. Im Westen bei Eldvörp beträgt die Hebung seit August 25 cm, im Osten an der Basis des Fagradalsfjall hingegen nur 5 cm.

Damit deutet sich an, dass sich das Magma derzeit stärker nach Westen ausbreitet als nach Osten, wo es bislang entlang der Sundhnúkur-Spalte eruptierte. Das sagt einiges über die Schwächezonen in der Region aus, bedeutet aber gleichzeitig, dass ein Ausbruch in westlicher Richtung nicht abwegig erscheint, da sich im Untergrund offenbar Veränderungen vollziehen. Möglicherweise hat sich der Untergrund im Osten durch die Magmaintrusionen so stark verfestigt, dass sich das Magma künftig einen anderen Weg suchen muss. Die Vulkanologen des IMO halten einen Ausbruch entlang der Sundhnúkur-Spalte dennoch weiterhin für das wahrscheinlichste Szenario.

Die Erdbeben in den übrigen hier genannten Regionen gehen momentan ohne größere Bodendeformationen einher. Daher scheint das Risiko einer Eruption an einem der anderen isländischen Vulkane trotz der erhöhten Seismizität derzeit eher gering zu sein.