Salton Sea: Erdbebenschwarm an gefährlicher Naht in Kalifornien

Erdbeben Mb 4,2 am Salton-Sea – Schwarm schürt Sorgen vor „the Big One“

Datum: 10.05.2026 | Zeit: 02:22:07 UTC | Koordinaten:  32.972 ; -115.583 | Tiefe: 10 km | Mb 4,3

Ein ungewöhnlich intensiver Erdbebenschwarm erschüttert derzeit die Region südlich des Salton Sea in Südkalifornien. Innerhalb weniger Stunden registrierte das seismische Netzwerk des USGS mehr als 100 Erschütterungen im Gebiet von Brawley im Imperial County. Das bislang stärkste Ereignis erreichte eine Magnitude von 4,3 und war bis in größere Entfernungen spürbar. Das EMSC verortete das Beben 5 km west-südwestlich von Brawley, in einer Tiefe von 10 Kilometern.

Brawley. © EMSC

Der Erdbebenschwarm konzentriert sich auf ein kleines Gebiet westlich von Brawley, das gut 40 Kilometer nordnordwestlich von Mexicali entfernt liegt. Auffällig ist die hohe Frequenz, in der die Erdbeben auftreten: Zahlreiche Ereignisse der Magnitude 2 bis 3 erschienen im Minutentakt, darunter mehrere Beben um Magnitude 3,5 bis 3,9. Die meisten Hypozentren lagen in Tiefen zwischen 5 und 12 Kilometern.

Tektonisch betrachtet manifestiert sich der Erdbebenschwarm an einer der gefährlichsten kontinentalen Nahtstellen Nordamerikas. Sie ereignen sich in der sogenannten Brawley Seismic Zone, einem seismisch hochaktiven Übergangsbereich zwischen der südlichen San-Andreas-Verwerfung und der Imperial Fault. Hier trifft die seitliche Bewegung der Pazifischen und Nordamerikanischen Platte auf ein Gebiet, in dem sich die Erdkruste zusätzlich auseinanderdehnt – eine geologische Besonderheit, die die Region anfällig für Schwarmbeben macht und mit der Durmid-Ladder-Structur assoziiert ist. Hierbei handelt es sich um eine Störungszone, die wie eine Leiter angelegt ist und sich entlang des Salton Sea erstreckt.

„Die Gegend ist berüchtigt für solche Sequenzen“, betonen Seismologen seit Jahren. Bereits 2012 und 2020 kam es in der Nähe des Salton Sea zu ähnlich dichten Schwärmen, ohne dass ein katastrophales Hauptbeben folgte. Dennoch rückt mit jedem stärkeren Schwarm die Frage nach dem lange erwarteten „Big One“ auf der südlichen San-Andreas-Verwerfung in den Fokus und besorgt Forscher wie Anwohner gleichermaßen. Man sitzt quasi auf einer tektonischen Zeitbombe, die früher oder später explodieren wird.