Campi Flegrei von 2 spürbaren Erdbeben erschüttert – Doppelschlag mit wenigen Sekunden Abstand
Gestern berichtete ich über die nachlassende Hebegeschwindigkeit des Bodens. Dennoch gab es heute wieder 2 spürbare Erdbeben mit den Magnituden 2,5 und 2,2, die sich kurz nach 9 Uhr Ortszeit mit nur wenigen Sekunden Abstand zueinander ereigneten. Sie manifestierten sich nordwestlich der Solfatara in der Nähe der Tangentiale und hatten Herdtiefen von 2500 und 2000 Metern. Anwohner berichten, dass sie die Beben deutlich gespürt und gehört haben. Größere Unruhen bei der Bevölkerung entstanden aber nicht.

Die Beben kamen nicht alleine, sondern waren Teil eines Schwarmbebens. Seit Mitternacht haben sich 11 Beben ereignet. Damit ist die Aktivität höher als in den vergangenen Tagen, aber weit von den Maxima entfernt, die wir in 2024 und 2025 sahen. Trotz der leichten Entspannung der Situation in den letzten Wochen kann keine Entwarnung gegeben werden: In der seit 21 Jahren anhaltenden Bodenhebungsphase wechselten sich häufig ruhigere mit intensiveren Phasen ab, wobei der Trend zu beobachten ist, dass die Phasen erhöhter Aktivität immer stärker werden. Es könnte ein großer Fehler sein, jetzt nachlässig zu werden und gerade angelaufene Maßnahmen zur Stärkung der Infrastruktur wieder zurückzuschrauben.
Eine jüngst veröffentlichte Studie eines internationalen Forscherteams unter Leitung des INGV kommt zu dem Schluss, dass das aktuelle Magmavolumen eines Reservoirs in ca. 4 km Tiefe nicht ausreicht, um eine Eruption auszulösen. Bemerkenswert ist, dass die Forscher davon ausgehen, dass der Vulkan in einigen Jahrzehnten durchaus in der Lage sein wird, eine mittelstarke Eruption hervorzubringen, wie sie zuletzt 1538 am Monte Nuovo stattfand. Auch ohne Worst-Case-Szenario eine sehr starke Eruption, die klimatische Auswirkungen auf weite Teile Europas hätte, eine unschöne Prognose für die Bewohner des Calderavulkans. Sie bestätigt, dass langfristige Maßnahmen erforderlich sind und man um Umsiedlungsmaßnahmen kaum herumkommen wird.
Besonders interessant ist, dass man in der Studie davon ausgeht, dass es Magma in 4 km Tiefe gibt. Die Wissenschaftler sind sich hierüber nicht einig und der Punkt wird kontrovers diskutiert. Ich gehe später genauer auf die Studie ein.