Vulkane in Deutschland: Zone erhöhter Vulkanausbruchsgefahr identifiziert
Eine neue Studie des United States Geological Survey (USGS) wirft einen ungewöhnlichen Blick auf die vulkanische Zukunft Deutschlands. In dem Bericht „Forecasting volcanic activity in Germany—A multi-criteria approach“, veröffentlicht als Teil des USGS Professional Paper 1890, untersuchen Geoforscher erstmals systematisch, wo in Deutschland langfristig betrachtet Vulkanismus auftreten könnte. Langfristig bezieht sich auf den geologischen Zeitraum von 1 Millionen Jahre.
Deutschland gilt heute nicht als klassisches Vulkanland, obwohl in den letzten Monaten der Eifelvulkanismus in den Fokus des Interesses rückte, da hier, besonders im Gebiet des Laacher-See-Vulkans, Anzeichen tiefer magmatischer Aktivität registriert wurden. Der letzte Vulkanausbruch ist hier 12.900 Jahre her. Auch im Vogtland Westböhmens gibt es Anzeichen einer tiefen magmatischen Aktivität, die sich eines Tages bis zur Oberfläche durcharbeiten könnte. Darüber hinaus existieren in Deutschland mehrere Regionen, die auf eine vulkanische Vergangenheit zurückblicken können – etwa der Vogelsberg, der Kaiserstuhl oder der Hegau.

Die USGS-Studie versucht nicht, konkrete zukünftige Ausbrüche vorherzusagen. Stattdessen entwickelten die Forscher ein Modell, das Regionen mit erhöhtem magmatischen Potenzial identifiziert. Dazu kombinierten sie zahlreiche geowissenschaftliche Datensätze wie geologische Karten, seismische Messungen, tektonische Strukturen, Mantelanomalien sowie geochemische Hinweise wie Kohlendioxid-Austritte oder erhöhte Helium-Isotopenwerte.
Insgesamt flossen 20 verschiedene Parameter aus 15 Indikatoren in die Analyse ein. Das gesamte Gebiet Deutschlands wurde dafür in ein Raster von einem Quadratkilometer aufgeteilt. Für jedes Rasterfeld berechnete das Modell einen Index, der angibt, wie günstig die geologischen Bedingungen für zukünftige Magmenbildung oder Magmenaufstieg sind.
Das Ergebnis bestätigt zunächst bekannte vulkanische Regionen. Besonders hohe Werte erreicht die Vulkaneifel. Geophysikalische Studien zeigen dort Hinweise auf ungewöhnlich warmes Mantelmaterial und anhaltende Kohlendioxid-Emissionen. Auch Hebungsbewegungen der Erdoberfläche und eine erhöhte Erdbebenaktivität wurden in den vergangenen Jahrzehnten beobachtet.
Neben der Eifel identifiziert das Modell weitere Gebiete mit erhöhtem magmatischen Potenzial. Dazu gehören das Siebengebirge am Rhein, Teile des Hunsrücks und des Taunus, die vulkanische Region des Vogelsberg sowie Abschnitte des Oberrheingrabens Auch im Grenzgebiet zu Tschechien rund um den Egergraben (Cheb-Becken) sehen die Forschenden geologische Hinweise auf tief sitzende magmatische Prozesse.
Die Zonen erhöhten Ausbruchsrisikos folgen in etwa dem Mittelgebirgsgürtel des Rheinischen Schiefergebirges und angrenzender Regionen der variskischen Orogenese und folgen auch den Zonen mit erhöhtem Erdbebenrisiko in Deutschland. Der Mittelgebirgsgürtel entstand vor 350–300 Millionen Jahren und bildete sich durch die Kollision der Ur-Kontinente Laurussia und Gondwana. Das Variskische Orogen war damals bis zu 5000 Meter hoch und übertraf damit sogar die Alpen. Die bei der Plattenkollision entstandene Schwächezone in der Erdkruste besteht noch heute und im Erdmantel entstanden Strukturen, die noch heute Magmenentstehung begünstigen.
Zu beachten gilt, dass der Index nur relative geologische Voraussetzungen und keine konkrete Ausbruchswahrscheinlichkeit beschreibt. Selbst in Regionen mit hohen Werten könnte es noch Tausende oder sogar Millionen Jahre dauern, bis es tatsächlich wieder zu einem Vulkanausbruch kommt
Für die Wissenschaft ist die Studie ein wichtiger Schritt. Sie zeigt, dass sich moderne Datensätze aus Geophysik, Geochemie und Tektonik kombinieren lassen, um langfristige vulkanische Potenziale auch in scheinbar ruhenden Kontinentregionen zu bewerten.
(Quelle: USGS (2026): Forecasting volcanic activity in Germany—A multi‑criteria approach. In: Professional Paper 1890, Kapitel C. United States Geological Survey. Online verfügbar: https://pubs.usgs.gov/pp/1890/c/pp1890C)