Erdbeben am Westindisch-Antarktischen Rücken

Zwei Erdbeben der Magnitude 6,0 erschüttern den Westindisch-Antarktischen Rücken – seismischer Doppelrumms im Südpolarmeer

Am 27. Mai 2026 haben zwei nahezu zeitgleich auftretende Erdbeben der Magnitude 6,0 den Westindisch-Antarktischen Rücken im südlichen Indischen Ozean erschüttert. Die Ereignisse traten nur rund zehn Minuten auseinander auf und lagen räumlich nur wenige Dutzend Kilometer voneinander entfernt – ein typisches Muster sogenannter Erdbebendoubletten an der gleichen Störungszone.

Westindisch-Antarktischen Rücken. © EMSC/Leaflet

Das erste Beben manifestierte sich um 14:51 UTC bei etwa 50,5° südlicher Breite und 139,4° östlicher Länge in rund 10 Kilometern Tiefe. Nur zehn Minuten später folgte das zweite Ereignis ähnlicher Stärke (ebenfalls Magnitude 6,0) unweit derselben Koordinaten und in gleicher Tiefe.

Tektonisch betrachtet ist der Westindisch-Antarktische Rücken Teil eines globalen Systems mittelozeanischer Rücken, an denen sich tektonische Platten voneinander entfernen. Hier wird die Erdkruste auseinandergezogen und durch aufsteigendes Magma ständig neu gebildet. Das von den Erdbeben betroffene Gebiet liegt im Grenzbereich zwischen der Antarktischen Platte und dem ozeanischen Teil der Australischen Platte.

Im Gegensatz zu Subduktionszonen, in denen besonders starke Megathrust-Erdbeben entstehen können, sind mittelozeanische Rücken zwar seismisch aktiv, aber meist auf moderate Magnituden begrenzt. Ereignisse wie die aktuellen sind an divergenten Plattengrenzen nicht alltäglich.

Erwähnenswert sind auch weitere Erdbeben im Grenzbereich der Australischen Platte: Die neuseeländische Nordinsel wurde in den letzten 24 Stunden von 10 Erschütterungen zwischen M 3,1 und M 4,2 heimgesucht. Weiter nördlich gab es zwischen Fidschi und Tonga 5 Erdbeben mit Magnituden zwischen 4,5 und 5,4.

Entlang der nördlichen Plattengrenze Australiens, die hier auf der Shakemap nicht zu sehen ist, ist die Seismizität ebenfalls hoch. Hervorzuheben ist ein Beben M 4,8 an der Küste der Bismarcksee in PNG, unweit aktiver Vulkane.

Und selbst im ansonsten selten von Erdbeben erschütterten Kontinent Australien bebte es mit M 3,1. Die Beben zeigen, dass sich aktuell besonders große Spannungen entlang der Plattengrenzen aufgebaut haben, die sich nun in den Erdbeben abbauen.