Vulkan Nevados del Longaví mit Schwarmbeben

Steigerung der Erdbebentätigkeit am Nevados del Longaví in Chile – mehr als 400 Beben innerhalb einer Woche

Am wenig bekannten Vulkan Nevados del Longaví in der chilenischen Región Maule ist es seit dem 20. Mai zu einer deutlichen Erhöhung der seismischen Aktivität gekommen. Nach Angaben des Nationalen Geologie- und Bergbaudienstes (SERNAGEOMIN) wurden inzwischen mehr als 400 vulkanotektonische Erdbeben registriert. Diese Beben stehen mit Gesteinsbrüchen in folge von Fluidbewegungen (Magma) im Inneren des Vulkansystems in Zusammenhang und könnten ein Hinweis darauf sein, dass sich der Vulkan langsam auf eine Eruption vorbereitet, obgleich der Nevados del Longaví in historischen Zeiten nicht aktiv war und eine magmatische Reaktivierung als wenig wahrscheinlich gilt.

Die Messdaten stammen von einem engmaschigen Überwachungsnetz, das in der Region installiert ist. Von den mehr als 400 Beben hatten die meisten geringe Magnituden, doch vier Ereignisse stechen hervor: Hierzu zählt das stärkste Beben mit einer Magnitude von 4,3. Drei weitere Erschütterungen lagen im Dreierbereich. Die Aktivität konzentriert sich auf einen Bereich südwestlich des Kraters in mehreren Kilometern Tiefe.

Auf Grundlage dieser Entwicklungen hat der Nationale Katastrophenschutzdienst SENAPRED in Abstimmung mit SERNAGEOMIN die Vulkanwarnstufe von Grün auf Gelb angehoben. Gleichzeitig wurde eine potenzielle Gefahrenzone mit einem Radius von drei Kilometern um den Gipfel festgelegt. In diesem Bereich bleiben Weidewirtschaft und touristische Aktivitäten untersagt.

Geowissenschaftler des Vulkanologischen Observatoriums der Südlichen Anden überwachen die Situation rund um die Uhr. Dabei werden seismische Signale in Echtzeit analysiert, um mögliche Veränderungen im Fördersystem frühzeitig zu erkennen. Laut den zuständigen Stellen weist die aktuelle Aktivität zwar eine rückläufige Tendenz im Vergleich zu den Spitzenwerten der vergangenen Tage auf, bleibt aber deutlich über dem langjährigen Hintergrundniveau.

Beim 3.200 Meter hohen Nevados del Longaví handelt es sich um einen stark vergletscherter Schichtvulkan in den südlichen Anden. Seine Morphologie legt nahe, dass er schon länger keine Eruption erzeugt hat. Historisch dokumentierte Eruptionen sind nicht bekannt, doch geologische Untersuchungen zeigen, dass der Vulkan im Holozän vermutlich bereits aktiv war.