Erdbeben auf Island: Bardarbung im Fokus des Geschehens

Zwei Erdbebenschwärme erschüttern Island – Bárdarbunga und Reykjanestá im Visier der Aktivität

Es waren sehr bewegte Pfingsttage auf Island, zumindest was die Erdbebenaktivität anbelangte. Innerhalb von 48 Stunden sprachen die Seismometer 353-mal an und registrierten Bodenerschütterungen, wobei sich die meisten Beben auf zwei Schwärme konzentrierten, die sich unter Bárdarbunga und Reykjanestá manifestierten. Unter Bárdarbunga gab es auch die beiden stärksten Erdstöße mit Mb 3,8, gefolgt von einem Erdstoß der Magnitude Mb 3,5 bei Reykjanestá. Dort wurde auch der intensivste Schwarm registriert, der bislang aus 180 Erschütterungen besteht.

Island. © IMO

Die beiden stärksten Erdbeben unter Bárdarbunga ereigneten sich laut IMO-Daten nahezu gleichzeitig um 3:50 Uhr Ortszeit, weshalb es möglich ist, dass es sich in Wirklichkeit nur um ein einziges Beben handelte, bei dessen automatischer Analyse ein Fehler auftrat. Die Beben ereigneten sich südöstlich beziehungsweise ostsüdöstlich des Zentralvulkans in geringer Tiefe von rund ein bis zwei Kilometern und wurden von mehreren kleineren Nachbeben begleitet.

Insgesamt wurden im Bárdarbunga-Gebiet binnen kurzer Zeit 55 Erdbeben registriert. Auffällig ist dabei die Konzentration der Aktivität direkt an der Caldera von Bárdarbunga, wo zahlreiche schwächere Erschütterungen mit Magnituden unter 2 registriert wurden. Solche Episoden sind in dem Vulkansystem zwar nicht ungewöhnlich, doch in den letzten Wochen ist die Seismizität deutlich höher als normalerweise.

Als Ursache kommen mehrere Prozesse infrage. Bárdarbunga ist seit dem Ende der Holuhraun-Eruption 2014/15, bei der sich die Caldera um mehr als 100 Meter absenkte, in einer neuen Phase der Hebung begriffen. Dabei entstehen Spannungen im Gestein, die sich in periodischen Bruchbeben entlang der Störungen im Deckel der Caldera entladen können. Die geringe Herdtiefe der stärksten Ereignisse könnte auf Druckveränderungen in einem flachen magmatischen Reservoir hindeuten. Ein unmittelbarer Hinweis auf eine bevorstehende Eruption ergibt sich daraus allerdings nicht.

Die erhöhte Aktivität auf der Reykjanes-Halbinsel begann bereits deutlich vor der Aktivitätssteigerung in Bárdarbunga. Das Schwarmbeben gut zehn Kilometer westlich von Reykjanestá setzte bereits in der Samstagnacht ein und umfasst etwa 180 Einzelereignisse. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 3,5 und war auf Reykjanes spürbar. Solche Schwärme treten in der Region seit einigen Jahren häufig auf, zuletzt im Februar und April – ein Muster, das auf anhaltende tektonische Spannungen oder Magmenbewegungen entlang des aktiven Rift-Systems der Halbinsel hinweisen könnte. Auch in anderen Spaltensystemen der Halbinsel gab es Erdbeben; sogar bei Grindavík wurden zwei registriert. Zur Bodenhebung gibt es dort derzeit nichts Neues zu berichten.

Auffällig sind zudem zahlreiche Erdbeben im Westen Islands, die sich an der Basis der Snæfellsnes-Halbinsel konzentrieren, dort jedoch diffus streuen.