Hawaii: Neues von den Vulkanen Mauna Loa und Kilauea

Bodenhebung am Kilauea schneller als zuvor – Zunahme der Seismizität am Mauna Loa

Am Kilauea zeigt sich in der Vorbereitungsphase für die 47. Lavafontänen-Episode bereits wieder rot illuminierter Dampf über dem südlichen Förderschlot im Halemaʻumaʻu-Krater. Die Geschwindigkeit der Bodenhebung hat sich signifikant beschleunigt, und der nächste Vulkanausbruch könnte näher sein, als man anhand vorheriger Eruptionsintervalle vermuten würde. Auch am Nachbarvulkan Mauna Loa gibt es Anzeichen einer Beschleunigung des Aufladungsprozesses, der direkt nach dem Ende der letzten Eruption im Jahr 2022 begonnen hatte.

Kilauea. © HVO

Die jüngste Lavafontänen-Episode am Kilauea liegt gerade einmal fünf Tage zurück, da mehren sich bereits die Anzeichen, dass die nächste bald wieder beginnt: Aufgrund der Inflationsdaten legte das HVO das Prognosefenster für den nächsten Ausbruch auf den Zeitraum zwischen Montag, dem 11. Mai, und Donnerstag, dem 14. Mai. Morgen rechne ich noch nicht mit der nächsten Eruption, doch Mittwoch erscheint mir durchaus realistisch. Neben der Bodenhebung wurden zuletzt etwa 40 tägliche Erdbeben festgestellt. Sie manifestieren sich nicht nur im Gipfelbereich, sondern auch entlang des Südwest-Rifts sowie unter der Südflanke des Vulkans. Sollte die Episode 47 in den nächsten Tagen starten, hätte sich das Pausenintervall von gut 3 Wochen im März auf ca. eine Woche verkürzt.

Mauna Loa mit Zunahme der Erdbebenaktivität

Seit März stellen die Vulkanologen des HVO eine Zunahme der Erdbebenaktivität am Mauna Loa fest, die sich im April weiter beschleunigte: Im März wurden 86 Erdbeben registriert, im April waren es bereits 132. Der Trend setzte sich auch im Mai fort: Allein in den letzten sieben Tagen hat es 42 Erdbeben gegeben, die stark genug für eine Lokalisierung waren und Eingang in die Shakemap fanden.

Mauna Loa. © HVO

Parallel zu den Erdbeben hat auch die Bodenhebung zugenommen. Der Vulkan bläht sich infolge der Inflation von Magma in einem flach liegenden Reservoir langsam, aber stetig auf und bereitet damit die nächste Eruption vor. Die seismischen Schwerpunkte lagen weiterhin unterhalb der Gipfelcaldera Mokuʻāweoweo sowie in der oberen Südwest-Riftzone. Trotz dieser Entwicklungen bleibt die Vulkan-Warnstufe auf „Normal“, der Farbcode für die Luftfahrt steht unverändert auf „Grün“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der nächste Ausbruch des Kilauea beziehungsweise die nächste Episode des seit Weihnachten 2024 anhaltenden Vulkanausbruchs nur noch Tage entfernt sein dürfte. Am Mauna Loa werden wir trotz der beschleunigten Entwicklung vermutlich nicht so schnell eine Eruption sehen. Wahrscheinlich wird es noch Jahre dauern, bis der Vulkan bereit für den nächsten Ausbruch ist. Manchmal entwickeln sich die Dinge allerdings schneller als erwartet.

Bemerkenswert ist, dass die HVO-Vulkanologen zu den wenigen institutionellen Forschern gehören, die noch konkrete Prognosen wagen – etwas, das heute aus Angst vor Fehlern und möglichen Klagen kaum noch vorkommt.