Schweres Erdbeben erschüttert Flores in Indonesien – Schäden, Todesopfer und Tsunamiwarnung
Ein schweres Erdbeben der Magnitude 7,7 hat am Samstagmorgen die indonesische Insel Flores erschüttert. Das Beben ereignete sich um 05:58 Uhr Ortszeit und hatte nach Angaben des USGS eine Herdtiefe von nur etwa zehn Kilometern. Das EMSC gibt 20 Kilometer an, was ich aufgrund des Schadensbildes für realistischer halte. Das Epizentrum lag 68 Kilometer nordwestlich von Ende vor der Nordküste von Flores. Es gab Schäden, Todesopfer und Verletzte. Ein zunächst ausgerufener Tsunamialarm wurde inzwischen aufgehoben.

Ersten Bilanzen zufolge sind die Folgen schwerwiegend. Nach aktuellem Stand kamen mindestens 38 Menschen ums Leben, mehr als ein Dutzend weitere wurden verletzt. Besonders betroffen ist die Region Sikka mit der Stadt Maumere, wo 20 Todesopfer gemeldet wurden. In Reok löste das Beben einen Erdrutsch aus, bei dem 16 Menschen starben. Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt, Straßen wurden durch Hangrutsche blockiert und die Stromversorgung fiel teilweise aus. Auch die wichtige Trans-Flores-Straße wurde unterbrochen. Rund 2.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Da mehrere betroffene Gebiete nur schwer erreichbar sind, könnte sich die Schadensbilanz noch verändern.
Unmittelbar nach dem Beben wurde eine Tsunamiwarnung ausgelöst. Die indonesische Katastrophenschutz- und Geophysikbehörde BMKG warnte vor möglichen gefährlichen Wellen und forderte Bewohner tiefer Küstengebiete zur Flucht in höher gelegene Bereiche auf. Tatsächlich wurden an der Küste Wellen von weniger als einem Meter registriert; bei Maurole wurde eine maximale Wellenhöhe von etwa 0,94 Metern gemeldet. Nach rund drei Stunden wurde die Warnung aufgehoben.
Tektonisch steht das Ereignis mit der extrem komplexen Plattengrenze im Bereich der Kleinen Sundainseln im Zusammenhang. Die Region wird von der Konvergenz der Australischen und der Sunda-Platte geprägt. Neben der eigentlichen Subduktionszone südlich der Insel verläuft nördlich von Flores das Überschiebungssystem des Flores-Back-Arc-Thrust. Das aktuelle Beben wird diesem tektonischen Umfeld zugeordnet.
Dem Hauptbeben folgten weit über 100 spürbare Nachbeben, darunter Ereignisse im Bereich von Magnitude 5 bis über 6. Betrachtet man die Shakemap genauer, erkennt man mindestens 2 Erdbebencluster, was darauf hindeutet, dass ein längeres Segment des FBAT gebrochen sein könnte.
Für uns besonders interessant ist die Nähe des Bebenclusters zu mehreren Vulkanen. Zu den bekanntesten zählen Lewotobi Laki-laki und Lewotolok im Osten der Region. Hinzu kommen Batu Tara im Floresmeer sowie Rokatenda, auch Paluweh genannt. Rokatenda liegt auf der Insel Palu’e unmittelbar nördlich von Flores und nur wenige Kilometer östlich des Epizentrums. Der Vulkan war 2012 und 2013 effusiv und explosiv aktiv und generierte einen Lavadom. Die Eruption von 2013 erzeugte hohe Aschewolken, pyroklastische Ströme und Evakuierungen. Auch Batu Tara war bis vor wenigen Jahren aktiv.
Damit erschütterte das M7,7 eine Region, in der starke tektonische Aktivität und zahlreiche aktive Vulkane eng nebeneinanderliegen. Bislang gibt es keinen belastbaren Hinweis darauf, dass das Erdbeben unmittelbar eine neue vulkanische Eruption ausgelöst hat. Dennoch dürfte die Aktivität der umliegenden Vulkane in den kommenden Tagen besonders genau beobachtet werden.
Ich selbst saß zur Zeit des Bebens nicht weit entfernt am Kraterrand des Mount Batur auf Bali und habe von dem Erdbeben nichts gespürt. Inzwischen kam mir der Gedanke, dass ich das Erdbeben vielleicht durch mein Fluchen ob des aberwitzigen Massentourismus ausgelöst haben könnte: Eine Menschenschlange, etwa doppelt so lang wie die Aufstiegsroute, schob sich den steilen Hang hinauf und ließ mich an der Sinnhaftigkeit meines Tuns stark zweifeln. In den nächsten Tagen ist ein Besuch am Kawah Ijen geplant, den ich noch recht frei vom Tourismus kenne … Wahrscheinlich gibt es dann das nächste schwere Erdbeben hier.