Moderate Erdbebenaktivität auf Island – Kleine Schwärme unter der Katla und bei Reykjanestá, Fluktuationen der Bodenhebung bei Svartsengi
Die Erdbebenaktivität auf Island ist derzeit moderat: Innerhalb der vergangenen zwei Tage wurden 94 Erschütterungen registriert. Die meisten Beben konzentrierten sich auf einen kleinen Erdbebenschwarm vor der Westspitze der Reykjanes-Halbinsel. Aber auch unter der Katla sowie im Norden an der Tjörnes Fracture Zone kam es zu einer erhöhten seismischen Aktivität.

Besonders hervorzuheben ist ein kleiner Erdbebenschwarm unter der Katla und dem den Vulkan bedeckenden Gletscher Mýrdalsjökull, wo sich ein halbes Dutzend schwacher Erschütterungen ereignete. Seit einigen Monaten kommt die Seismizität dort nicht mehr vollständig zur Ruhe, sodass man inzwischen von einem lang anhaltenden Erdbebenschwarm sprechen kann. Die Aktivität wird aller Wahrscheinlichkeit nach von magmatischen Fluiden ausgelöst, die entlang von Störungszonen aufsteigen und diese zum Beben anregen.
Markant war zudem ein Erdbebenschwarm mit 22 Erschütterungen, der sich bereits in der Freitagnacht vor der Westspitze der Reykjanes-Halbinsel ereignete. Die Beben konzentrierten sich vor der Küste bei Reykjanestá mit seinem markanten Leuchtturm. Das stärkste Erdbeben erreichte eine Magnitude von 2,2 und hatte eine Herdtiefe von zehn Kilometern. Hier trifft das Reykjanes-Störungssystem auf das Festland. Die Erschütterungen könnten entweder durch anhaltende Riftingprozesse verursacht worden sein oder eine Reaktion auf die fortgesetzte Magmenakkumulation im Bereich von Svartsengi darstellen.
Interessanterweise gibt es im Gebiet der Bodenhebung selbst kaum Erdbeben. Es wirkt beinahe so, als würde das Svartsengi-Spaltensystem von der Seismizität ausgespart, während sowohl westlich als auch östlich davon regelmäßig Erschütterungen auftreten. Östlich davon ist insbesondere das Krýsuvík-System zu nennen, an dem sich täglich mehrere Erdbeben ereignen. Eine nennenswerte Bodendeformation lässt sich dort jedoch derzeit nicht erkennen.

Anders verhält es sich im weitgehend erdbebenarmen Svartsengi-System. Dort gibt es zwar nur wenige Erschütterungen, dafür hält die Bodenhebung inzwischen seit fast einem Jahr an. Die aktuellen Messwerte spielen allerdings ein wenig Achterbahn: Nach einem kurzen, aber raschen Anstieg fallen die Messpunkte derzeit wieder ab. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um Messartefakte, wie sie bereits mehrfach beobachtet wurden. Das Muster ähnelt allerdings auch jenem, das in den Stunden vor früheren Eruptionen registriert wurde. Da bislang jedoch keine Meldungen über abrupte Änderungen der Druck- und Temperaturwerte aus den Messinstrumenten in den Geothermiebohrungen des Kraftwerks veröffentlicht wurden, sind Messfehler derzeit die plausibelste Erklärung für die beobachteten Schwankungen.