Island: Erdbeben Mb 4,9 südwestlich der Insel

Mittelstarkes Erdbeben mit widersprüchlichen Angaben erschüttert den Nordatlantik

Ein Erdbeben am Mittelatlantischen Rücken südwestlich von Island hat in der Nacht zum 31. Mai für unterschiedliche Angaben in den internationalen Erdbebenkatalogen gesorgt. Während der europäische Erdbebendienst EMSC das Ereignis um 00:54 UTC mit einer Magnitude von 4,9 und einer Herdtiefe von lediglich 2 Kilometern ausweist, meldet der isländische Wetterdienst IMO nahezu zur gleichen Zeit – um 00:53:59 UTC – ein Beben der Magnitude 3,6 in rund 65,8 Kilometern Tiefe. Auch die Lokalisierung weicht voneinander ab: Das EMSC verortet das Epizentrum etwa 279 Kilometer südwestlich von Reykjavík, während der IMO-Hypozentrumskatalog eine Position rund 191 Kilometer südwestlich der kleinen Felseninsel Eldey angibt. Tatsächlich beziehen sich beide Angaben jedoch auf dieselbe Region im Nordatlantik. Das Kuriose daran: Beide Einschätzungen basieren letztlich auf Daten des IMO.

Island. © EMSC/Leaflet

Unterschiedliche Analysen von Erdbebendaten sind in der Seismologie nicht ungewöhnlich, derart große Abweichungen bei Magnitude und Herdtiefe treten jedoch vergleichsweise selten auf. Möglicherweise liegt dies daran, dass einer der Dienste noch automatisch berechnete Werte anzeigt, während die Daten beim anderen bereits manuell überprüft und korrigiert wurden. Besonders in abgelegenen Meeresgebieten, in denen nur wenige Messstationen in unmittelbarer Nähe zur Verfügung stehen, können sich Unsicherheiten bei der Bestimmung von Magnitude, Tiefe und Lage eines Bebens ergeben.

Tektonisch liegt das betroffene Gebiet in einer der aktivsten Regionen des Nordatlantiks. Island befindet sich auf dem Mittelatlantischen Rücken, an dem sich die Nordamerikanische und die Eurasische Platte voneinander entfernen. Die Insel markiert einen seltenen Abschnitt dieses gewaltigen ozeanischen Gebirges, der über den Meeresspiegel hinausragt. Südwestlich von Island setzt sich die Plattengrenze unter Wasser fort und wird von zahlreichen Störungszonen durchzogen, an denen regelmäßig Erdbeben auftreten.

Das nun registrierte Ereignis passt grundsätzlich in dieses tektonische Umfeld. Ob es sich letztlich um ein moderates, flaches Beben der Magnitude 4,9 oder um ein deutlich schwächeres und dazu noch tiefer gelegenes Ereignis handelte, werden weitere Auswertungen zeigen müssen.

Auf Island selbst konzentrierte sich die Erdbebentätigkeit in den vergangenen Stunden vor allem auf das Vatnajökull-Gebiet. Besonders unter dem subglazialen Vulkan Bárðarbunga wurden innerhalb von 48 Stunden mehr als 25 Erschütterungen registriert. Aber auch im Bereich des Grímsfjall-Systems sowie unter der weiter nördlich gelegenen Askja kam es zu mehreren Erdbeben.