Island: Erhöhte Erdbebenaktivität bei Grindavik

Erhöhte Erdbebenaktivität bei Grindavík und Erdbebenschwarm vor Reykjanestá auf Island

Auf Island könnte es in den nächsten Stunden oder Tagen wieder spannend werden, denn in den vergangenen zwei Tagen hat die Seismizität im Svartsengi-Gebiet zugenommen. Es wurden zwölf schwache Mikrobeben registriert – die höchste Erdbebenaktivität seit Monaten in dem Bodenhebungsgebiet, in dem vor einem Jahr die bislang jüngste Eruption stattfand. Ganz aktuell läuft zudem ein Erdbebenschwarm vor der Südwestspitze der Reykjanes-Halbinsel, der sich vor der Küste bei Reykjanestá abspielt.

Island. © IMO

Die Mikrobeben im Svartsengi-Gebiet konzentrierten sich auf Grindavík und dessen unmittelbare Umgebung, wo etwa ein halbes Dutzend Erschütterungen registriert wurde. Die übrigen Beben verteilten sich entlang der Sundhnúkagígar. Sie erreichten nur sehr geringe Magnituden und lagen überwiegend in Tiefen um fünf Kilometer. Vermutlich stehen die Beben mit Fluidbewegungen im Zusammenhang. Dass es sich bereits um direkte Vorläufer einer bevorstehenden Eruption handelt, halte ich allerdings für eher unwahrscheinlich. Dennoch können die Beben als Anzeichen des fortschreitenden Druckaufbaus im Magmasystem interpretiert werden, der letztlich in einer Eruption münden könnte.

Auffällig sind weiterhin vermehrte Erdbeben im Bereich des Vulkans Fagradalsfjall und im Krysúvik-System, hier insbesondere am Südostufer des Kleiftarvatn.

Eine weitere, allerdings spekulative Erklärung wäre, dass die beiden relativ starken Erdbeben im Hengill-System und unter dem Barðarbunga, die sich in dieser Woche ereigneten, die Mikrobeben bei Grindavík angeregt haben könnten. Auffällig ist außerdem, dass diese Mikrobeben bislang nur auf der neuen IMO-Shakemap erscheinen und nicht auf der Karte, die direkt über die IMO-Website abrufbar ist.

Beim Erdbebenschwarm vor Reykjanestá verhält es sich genau umgekehrt: Er ist bislang nur auf der altbewährten Shakemap zu sehen, nicht jedoch auf der neuen. Es wäre wünschenswert, wenn beide Karten künftig synchron arbeiten würden. Der Schwarm begann heute Nacht und umfasst bislang zehn schwache Erschütterungen. Auch diese Beben könnten mit der Bodenhebung bei Svartsengi zusammenhängen, denn die Inflation verändert das Spannungsfeld in großen Teilen der Reykjanes-Halbinsel und wirkt sich damit auch auf Bereiche außerhalb des eigentlichen Hebungszentrums aus.

Die jüngsten GPS-Daten zeigen erneut eine Stagnation der Bodenhebung. Bei früheren Gelegenheiten stellte sich meistens heraus, dass die Hebung tatsächlich weiter anhielt und die scheinbare Stagnation – oder in einigen Fällen sogar eine scheinbare Subsidenz – auf Bahnabweichungen der GNSS-Satelliten zurückzuführen war. Andererseits zeigte sich vor den meisten bisherigen Eruptionen tatsächlich eine kurzzeitige Subsidenz, als das Magma begann, seitliche Gänge (Dykes) zu bilden – oft nur wenige Tage oder sogar Stunden vor dem Ausbruch.

In Kombination mit den beschriebenen Erdbeben bei Grindavík, entlang der Sundhnúkagígar-Kraterreihe und vor Reykjanestá erscheint es daher durchaus möglich, dass sich in absehbarer Zeit eine weitere Eruption ereignen könnte. Sollte dies der Fall sein, wären in den nächsten Stunden oder Tagen Druck- und Temperaturänderungen in den Bohrlöchern des Geothermalkraftwerks Svartsengi zu erwarten. Diese Messwerte gelten als deutlich zuverlässigere Indikatoren für eine unmittelbar bevorstehende Eruption als die derzeit noch vergleichsweise schwache Seismizität und der vermeindlichen Stagnation der Bodenhebung.