Ätna bricht in Ferienzeit erneut aus: Eruption aus der Voragine mit Asche, glühender Tephra und möglichem Lavastrom
Der Ätna auf Sizilien begann heute Nacht mit einem weiteren Vulkanausbruch in der Gipfelregion. Seit etwa 03:30 Uhr Ortszeit (01:30 UTC) beobachten die Vulkanologen des INGV eine sich stetig verstärkende Aktivität, die mit strombolianischen Eruptionen begann und sich inzwischen zu einem kontinuierlichen Tephraausstoß aus dem Voragine-Krater steigerte. Dabei werden neben heißen Gasen glühende Tephra und Vulkanasche ausgestoßen. Die Aschewolke driftet mit dem Wind in nordwestlicher Richtung und erreicht nach Angaben des VAAC Toulouse eine Höhe von bis zu 7 Kilometern über dem Meeresspiegel. Der Luftfahrt-Farbcode wurde auf Rot angehoben.

Die Eruption intensivierte sich innerhalb weniger Stunden deutlich, was sich auch in den geophysikalischen Messdaten widerspiegelt: Die Amplitude des vulkanischen Tremors stieg sprunghaft an und erreichte den Bereich hoher Werte. Sie liegt inzwischen deutlich oberhalb der Schwelle, die auf eine starke vulkanische Unruhe hindeutet. Die Quelle des Tremors wird unter dem Bereich der Krater Voragine und Bocca Nuova in einer Höhe von etwa 3000 Metern über dem Meeresspiegel lokalisiert. Demgegenüber bleibt die Infraschallaktivität vergleichsweise gering.
Besonders auffällig ist die außergewöhnlich hohe thermische Strahlung. Das MIROVA-System registrierte in der Nacht eine thermische Leistung von 1105 Megawatt. Solch hohe Werte entstehen in der Regel nicht allein durch strombolianische Explosionen, sondern sprechen für größere Mengen freiliegender Lava. Daher liegt die Vermutung nahe, dass aus der Voragine oder einem neu entstandenen Schlot Lava austritt und sich ein Lavastrom entwickelt. Eine eindeutige visuelle Bestätigung steht allerdings noch aus. Möglicherweise kommt es erneut zu einem Lavaüberlauf von der Voragine in die Bocca Nuova, doch das ist derzeit noch Spekulation.
Satellitendaten zeigen zudem eine deutlich erkennbare Schwefeldioxidfahne (SO₂), die der Aschewolke nordwestwärts vorauszieht. Das VAAC weist darauf hin, dass sich die höchste Aschekonzentration derzeit in unmittelbarer Nähe des Vulkans befindet, während weiter entfernte Bereiche nur gering belastet werden. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass im Laufe des Tages der Luftraum über Catania beeinträchtigt wird und es zu Störungen im Flugbetrieb kommt, wie es bereits Anfang des Monats der Fall war. Gerade jetzt, zum Höhepunkt der Reisesaison, käme eine Schließung des Flughafens äußerst ungelegen. Andererseits haben Touristen die Chance eines der spektakulärsten Naturereignisse Europas zu erleben.
Trotz aller Faszination sollte nicht vergessen werden, dass ein Vulkanausbruch durchaus Gefahren birgt. Wer sich in der Region aufhält, sollte Vorsicht walten lassen und den Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge leisten.
