Anhaltender Erdbebenschwarm im Südwesten von Island: Fast 1.300 Erschütterungen im Hengill-Gebiet
Der ausgeprägte Erdbebenschwarm im Südwesten von Island hält auch heute weiter an. Seit dem Beginn der seismischen Aktivität am Morgen des 31. Mai wurden im Hengill-Gebiet westlich von Húsmúli nahezu 1.300 Erdbeben registriert. Damit steht nicht nur mehr das stärkste Erdbeben Mb 4,5 im Mittelpunkt des Geschehens, sondern die ungewöhnlich hohe Anzahl an Erschütterungen

Der Erdbebenschwarm begann am 31. Mai kurz vor 7 Uhr morgens in der Region Svínahraun, etwa drei Kilometer westlich von Húsmúli. Am 1. Juni wurde dort um 13:45 Uhr das bislang stärkste Beben mit einer Magnitude von 4,5 gemessen. Es folgten zahlreiche Nachbeben, von denen das stärkste eine Magnitude von 3,8 erreichte.
Nach Angaben des Isländischen Wetterdienstes hat die Aktivität inzwischen etwas nachgelassen, dennoch werden weiterhin regelmäßig Erdbeben registriert. Naturgefahrenexpertin Jóhanna Malen Skúladóttir geht davon aus, dass die Nachbeben noch mehrere Tage anhalten werden. Erwartet werden vor allem Erschütterungen im Bereich um Magnitude 3, die auch in bewohnten Gebieten spürbar sein können. Weitere Beben der Stärke über 4 gelten derzeit als eher unwahrscheinlich, können aber nicht vollständig ausgeschlossen werden.
Generell ist es bei Schwarmbeben die Frage, ob man von Nachbeben sprechen kann und sollte: Die stärksten Erschütterungen des Schwarms ereigneten sich nicht zu Anfang des Geschehens, weswegen sie sich meiner Meinung nach nicht in Nachbeben, ausgelöst durch die stärkeren Erschütterungen und die Beben des Schwarms, unterscheiden lassen.
Erdbebenschwärme sind im Hengill-Gebiet keine Seltenheit, dennoch sind sie in den letzten Jahren selten so stark gewesen wie der aktuelle. Die Region liegt in einer tektonisch aktiven Zone, in der sich die nordamerikanische und die eurasische Platte gegeneinander bewegen. Die dabei entstehenden Spannungen werden regelmäßig durch Beben entlang von Verwerfungen abgebaut, was zu teils langanhaltenden Schwarmbeben führt. Hinweise auf vulkanische Unruhen gibt es nach Aussage der IMO-Forscher derzeit nicht. Allerdings stellte sich in jüngster Vergangenheit oft heraus, dass Serien von Erdbebenschwärmen letztendlich doch oft wenigstens indirekt mit Spannungen in der Erdkruste zusammenhingen, die durch magmatische Prozesse beeinflusst wurden.
Auch in anderen Teilen Islands wurden in den vergangenen Tagen spürbare Erdbeben registriert. Am 1. Juni ereignete sich unter dem Vulkansystem Bárðarbunga ein Erdbeben der Magnitude 3,7. Solche Beben treten dort regelmäßig auf und gelten als typisch für das Gebiet. Am 2. Juni wurde zudem auf dem Reykjanesrücken ca. 20 Kilometer südwestlich der Insel Eldey ein Erdbeben der Stärke 3,3 gemessen. Auch diese Aktivität ist für sich genommen nicht unüblich, in dieser Konzentration allerdings bemerkenswert. Nach einigen relativ ruhigen Monaten scheint sich das Blatt auf Island wieder zu wenden und wir könnten am Anfang einer erneuten Unruhephase stehen, die möglicherweise spannende Überraschungen bereithält.