Mehrere Erdbebenschwärme erschüttern Island: Eldey, Katla und Grímsvötn betroffen
Auf Island neigt sich ein seismisch interessanter Tag dem Ende zu. Nach einer vergleichsweise ruhigen Phase wurde die Insel heute von gut 150 Erdbeben erschüttert. Der intensivste Erdbebenschwarm ereignete sich im Offshoregebiet Eldeyjarboði vor der Südwestspitze der Reykjanes-Halbinsel. Entlang des Reykjanes-Rückens wurden mehr als 70 Erschütterungen registriert. Vier Beben erreichten Magnituden im Dreierbereich, wobei das stärkste eine Magnitude von 3,4 hatte. Das Hypozentrum lag in 10 Kilometern Tiefe.

Ein weiterer vergleichsweise intensiver Erdbebenschwarm wurde unter dem Gletscher Mýrdalsjökull registriert, der den gewaltigen Gletschervulkan Katla bedeckt. Das seismische Netzwerk des Icelandic Meteorological Office (IMO) verzeichnete hier 37 Erdbeben. Keines davon erreichte eine Magnitude von 3,0, ab der Erschütterungen häufig wahrgenommen werden können. Allerdings traten gleich drei Beben mit einer Magnitude von 2,2 auf. Ihre Herdtiefen lagen zwischen 0 und 1,1 Kilometern und damit in unmittelbarer Nähe des Meeresspiegels. Diese Erdbeben stehen im Verdacht, mit Fluidbewegungen im Untergrund des Vulkans in Zusammenhang zu stehen.
Ein kleinerer Erdbebenschwarm mit mehr als einem Dutzend Erschütterungen wurde zudem unter dem Gletscher Vatnajökull festgestellt. Die Beben konzentrierten sich auf das Gebiet der subglazialen Vulkane Hamarinn und Grímsfjall, die zum Vulkansystem Grímsvötn gehören.
Nahezu kontinuierlich werden außerdem einzelne Erdbeben im Bereich des Grjótarvatn auf der Snæfellsnes-Halbinsel sowie südwestlich des Langjökull registriert. Bei Krýsuvík auf Reykjanes kann inzwischen ebenfalls von einem Schwarm schwacher Mikrobeben gesprochen werden, womit sich der Kreis der aktuell aktiven Regionen schließt.
Interessanterweise scheint es im Gebiet der Bodenhebung bei Svartsengi einen seismischen „blinden Fleck“ zu geben, denn ausgerechnet dort werden derzeit kaum Erdbeben registriert. Dennoch hält die Inflation nahezu unvermindert an. Auffällig ist, dass sich die horizontale Bodenbewegung in nördlicher Richtung in den vergangenen Tagen leicht verstärkt hat, während die ostwärtige Verschiebung etwas geringer ausfällt. Die Vulkanologen des IMO halten nach wie vor eine Eruption an der Sundhnúkur-Kraterreihe für das wahrscheinlichste Aktivitätsszenario.