Schwarmbeben bei Eldey auf Island geht weiter – über 400 Beben soweit
Der wohl stärkste Erdbebenschwarm, den Island in den letzten 6 Monaten erschütterte, geht auch heute Morgen weiter. Seit Beginn des Schwarmes gestern Mittag wurden über 400 Beben registriert, die direkt mit dem Schwarm bei Eldey zusammenhängen. Allerdings ist der Erdbebenschwarm so stark, dass er auch in weiter entfernten Regionen Südislands Erschütterungen auslöst. Betrachtet man ganz Island, wurden innerhalb von 48 Stunden fast 500 Beben detektiert.

Das stärkste Beben des Schwarms ereignete sich gestern um 18:10 UTC und hatte eine Magnitude von 3,9. Das Epizentrum befand sich ein Stück abseits des Hauptschwarms, 62 Kilometer westlich der kleinen Insel Eldey. Die Herdtiefe betrug nur 1,1 Kilometer. Das zweitstärkste Beben brachte es auf Mb 3,4 und lag in unmittelbarer Nähe der Insel. Das Hypozentrum wurde in 6 km Tiefe festgestellt. Das verdeutlicht, dass die Beben nicht nur geografisch streuen, sondern auch in der Tiefe.
Der Ursprung des Schwarms ist wahrscheinlich tektonischer Natur und hängt mit Spannungen infolge der Kontinentaldrift zusammen: Die Beben manifestieren sich an der divergenten Naht zwischen Europa und Nordamerika, was regelmäßig für Spannungen bzw. Dehnungsstress im Untergrund sorgt. Da sich entlang des Mittelatlantischen Rückens die Platten mit einer Geschwindigkeit von mehreren Zentimetern pro Jahr voneinander entfernen, wird die Kruste bis zum Reißen ausgedünnt. Die entstehenden Spalten werden von Magma gefüllt und die Lehrbücher gehen davon aus, dass ständig Schmelze entlang des Rückens aufsteigt. Tatsächlich vollziehen sich die Prozesse nicht so gleichmäßig, wie man sich das vorstellen mag, sondern in Schüben, so wie wir es jetzt wahrscheinlich sehen. Dadurch steigt das Magma aus der Tiefe schneller auf als sonst, was zu vulkanischen Aktivitätsphasen führen kann, die die Erdoberfläche erreichen.

Die geophysikalischen Daten liefern derzeit aber keine Hinweise darauf, dass Magma bei Eldey aufsteigt. Es wird weder Tremor noch eine signifikante Bodenhebung detektiert. Im Gegenteil: In den letzten Wochen gab es auf der Insel eine leichte Subsidenz von 15 mm. Mal sehen, ob sich dieser Trend mit dem Schwarmbeben wieder ändern wird.
Auch wenn bei Eldey direkt kein Magma aufsteigt, kann der Erdbebenschwarm mit den magmatischen Prozessen der Reykjanes-Halbinsel zusammenhängen. Obwohl nicht nur ich darüber spekuliere, sondern auch isländische Wissenschaftler, stehen wissenschaftliche Beweise hierfür noch aus.