USA: Eisdecke auf dem Eriesee zerreist

Ein Riss im Eis des Eriesees – Spannende Satellitenbild-Animation zeigt Rissbildung

Ein gewaltiger Riss zieht sich durch die Eisdecke des 388 Kilometer langen Lake Erie im Norden der USA. In einer Animation aktueller Satellitenaufnahmen wirkt er wie eine sich öffnende Narbe in einer ansonsten weißen Fläche. Was spektakulär aussieht, ist ein sichtbares Zeichen eines außergewöhnlich strengen Winters an den Großen Seen Nordamerikas – und ein Lehrbeispiel dafür, wie dynamisch Eislandschaften auf riesigen Binnengewässern sein können.

Der Winter 2025/26 brachte wiederholt arktische Kaltluft weit nach Süden. Über Wochen lagen die Temperaturen deutlich unter dem langjährigen Mittel. Besonders der Lake Erie, der flachste der fünf Großen Seen, reagierte darauf schnell: Nahezu seine gesamte Oberfläche fror zu. Starke Winde und abrupte Temperaturwechsel setzten die Eisdecke jedoch unter große Spannung, ähnlich wie wir es aktuell am Mittelatlantischen Rücken auf Island sehen, nur dass dort kein Eis, sondern Gestein zerreißt Das Eis dehnt sich bei Erwärmung aus, zieht sich bei Kälte zusammen – auf einer Fläche von mehreren tausend Quadratkilometern genügt das, um massive Risse entstehen zu lassen, die selbst aus dem All sichtbar sind.

Auch an den übrigen Großen Seen ist der Winter harte Wirklichkeit. Teile von Lake Huron und Lake Michigan zeigen ausgedehnte Eisfelder, während selbst am tiefen Lake Superior große Buchten zufroren. Die starke Vereisung wirkt sich spürbar auf das regionale Wetter aus: Weniger offenes Wasser bedeutet weniger Verdunstung – und damit in manchen Regionen weniger lake-effect-Schnee, während andere Küstenabschnitte durch Windverfrachtung von Eis und Schnee stärker betroffen sind.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Kälte an den nahen Niagarafällen. Zwar frieren sie nie vollständig zu, doch dicke Eisschichten, gefrorene Gischt und haushohe Eiszapfen lassen die Wasserfälle fast erstarrt wirken – ein Anblick, der nur in besonders kalten Wintern möglich ist.

Mit der ausgedehnten Eisdecke wächst auch die Gefahr eines wenig bekannten Phänomens: sogenannter „Eis-Tsunamis“. Dabei schieben anhaltende starke Winde große Eisplatten an die Ufer, wo sie sich auftürmen und innerhalb kurzer Zeit Straßen, Parks oder Uferbebauung erreichen können. Es handelt sich nicht um Tsunamis im klassischen Sinn, sondern um mechanische Eisbewegungen – dennoch können sie beträchtliche Schäden verursachen.

Deutsche Ostsee im Uferbereich zugefroren

Wer zugefrorene Wasserflächen sehen will, der muss nicht bis in die ferne USA reisen: Deutschland durchlebt eine außergewöhnlich strenge Frostperiode, von der vor allem der Nordosten betroffen ist, weswegen der Uferbereich der Ostsee vielerorts zugefroren ist Die Eisflächen liefern ähnliche Bilder wie von den Großen Seen der USA. Und selbst fließende Gewässer wie die Elbe, die bei Hamburg in die Nordsee mündet, zeigen treibende Eisschollen.