Schlammvulkan bei Jal Tikrey bricht nach 20 Jahren Ruhe aus – Forscher sind alarmiert
Nach mehr als zwei Jahrzehnten der Stille ist der namenlose Schlammvulkan bei Jal Tikrey im Dorf Shyamnagar gestern Nachmittag plötzlich ausgebrochen. Gegen 15:30 Uhr ergossen sich dichte Ströme aus Schlamm, Wasser und Gas über die umliegenden Flächen. Augenzeugen berichteten von einem tiefen Grollen, dem eine schlagartige Schlammlawine folgte. Innerhalb kurzer Zeit türmte sich ein neuer, mehrere Meter hoher Hügel auf. Der Ausbruch setzte sich in Schüben fort, die von Entgasungen begleitet wurden. Verletzte wurden bislang nicht gemeldet, Einsatzkräfte der Forstbehörde und der Polizei sicherten das Gebiet.
Das Ereignis sorgt nicht nur für Unruhe in der Bevölkerung, sondern auch für große Aufmerksamkeit in der Wissenschaftscommunity. Schlammvulkane sind keine Lava speienden Vulkane, sondern Ventile der Erdkruste, die auf Druck organischer Gase wie Methan reagieren: Unter Druck stehende Gase pressen wasserreiche Sedimente nach oben, die sich auf ihrem Weg zur Erdoberfläche in Schlamm verwandeln. In der Region der Andamanen treffen mächtige Sedimentpakete auf eine tektonisch hochaktive Zone. Die Inselkette liegt am Rand der als besonders gefährlich eingestuften Subduktionszone des Andamanen-Grabens, der eine Fortsetzung des Sundagrabens darstellt und an dem die Indische Platte unter die Burma-Mikroplatte abtaucht. Verwerfungen und Risssysteme schaffen Aufstiegswege für Methan und Porenwasser aus der Tiefe. Steigt der Porendruck über die Festigkeit der Deckschichten, entlädt sich das System abrupt. Das kann plötzlich selbst nach Jahrzehnten der Ruhe geschehen. Eine Schlammvulkaneruption nach so langer Pause könnte ein Hinweis auf größere Spannungsänderungen im Untergrund sein, die letztendlich zu einem stärkeren Erdbeben führen können, was der Grund ist, warum Geoforscher die Gegend nun besonders Aufmerksam beobachten.
Geologen vermuten, dass kleine tektonische Spannungsänderungen oder Mikrobeben die Reaktivierung begünstigt haben könnten. Solche Prozesse bleiben an der Oberfläche meist unbemerkt, können aber unterirdisch Ventile „öffnen“. Behörden raten Anwohnern, Abstand zu halten: Schlammvulkane sind unberechenbar. Gasansammlungen können lokal gefährlich werden, Methan kann sich spontan entzünden und explodieren, so wie es erst letzte Woche in Aserbaidschan der Fall gewesen ist. Die neu abgelagerten Schlammmassen sind instabil.
Die Andamanen gehören politisch zu Indien und beherbergen auch den einzig aktiven Vulkan des Landes: Barren Island war im Herbst letzten Jahres besonders aktiv und förderte einen Lavastrom, der bis ins Meer floss. Momentan emittiert der Vulkan zwar noch Wärme, größere Eruptionen stehen aber aus.
Das gestrige Ereignis erinnert daran, wie dynamisch die Andamanen sind. Auch fernab spektakulärer Lavaströme bleibt die Erde hier in Bewegung.
(Anmerkung zum Bild: Ich habe aus einer Reihe schlechter Video-Screenshots als Vorlage, ein neues KI-Bild rendern lassen. Es gibt die Realität zu 90% wieder)
