Starkes Erdbeben Mb 4,3 erschüttert Langjökull auf Island – Schwarmbeben vor Reykjanestá
In den letzten Stunden kam es gleich zu zwei erwähnenswerten seismischen Ereignissen auf Island. Zunächst manifestierte sich unter dem Gletscher Langjökull ein mögliches Doppelbeben der Magnituden 4,3 und 4,2, die sich mit nur 11 Sekunden Abstand ereigneten. Daher ist nicht ganz sicher, ob es sich tatsächlich um zwei unterschiedliche Beben handelte oder lediglich um ein einzelnes Erdbeben mit einer ausgeprägten Bruchstruktur. Während das IMO auf seiner alten Erdbebenkarte zwei Beben dieser Magnitude anzeigt, ist auf der neuen Karte nur ein Erdstoß zu sehen. Auch das EMSC registrierte lediglich eine Erschütterung. Darüber hinaus wurden mehr als 60 weitere Erschütterungen registriert, von denen vier Beben Magnituden im Zweierbereich erreichten.

Das Epizentrum des stärksten Erdbebens wurde bei den Koordinaten 64,650; –20,605 verortet und lag gut 14 Kilometer östlich von Húsafell am Nordrand der Langjökull-Caldera. Das Hypozentrum wurde auf Höhe des Meeresspiegels ausgemacht. Der Erdstoß manifestierte sich um 14:18:30 UTC. Das zweite Beben mit der Magnitude Mb 4,2 war eigentlich der erste Erdstoß und ereignete sich um 14:18:19 UTC. Es lag einige Kilometer weiter westlich, knapp außerhalb der Caldera.
Die Beben könnten hier mit tektonischen Prozessen infolge von Fluidaufstieg beziehungsweise der Ansammlung magmatischer Fluide im Zusammenhang stehen. Seit 2022, als sich zuletzt ein vergleichbar starkes Erdbeben ereignete, beobachten die isländischen Vulkanologen einen Anstieg der Seismizität im Bereich des Langjökull. Sie könnte ein Anzeichen für ein langsames Aufladen des Zentralvulkans sein.
Neben dem Erdbebenschwarm am Langjökull zog auch ein weiterer Erdbebenschwarm westlich von Reykjanestá Aufmerksamkeit auf sich. Hier detektierte das seismische Netzwerk des IMO bislang 80 Beben. Die beiden stärksten Erschütterungen hatten Magnituden von 3,2 und 3,1. Das Epizentrum des stärksten Bebens wurde 9,4 Kilometer südwestlich des Felsens Eldeyjarboði verortet, was etwa 70 Kilometer offshore von Reykjanestá entspricht. Das Hypozentrum befand sich in 10 Kilometern Tiefe. Die Erdbebensequenz hängt aller Wahrscheinlichkeit nach mit tektonischen Prozessen entlang des Mittelatlantischen Rückens zusammen.
Auswirkungen auf das Bodenhebungsgebiet von Svartsengi lassen sich bislang nicht erkennen. Hier scheint es trotz – oder gerade wegen – der anhaltenden langsamen Bodenhebung infolge von Magmaakkumulation eine seismische Lücke zu geben, denn Erdbeben traten sowohl westlich als auch östlich dieses Systems auf.