Italien: Erdbeben Mw 5,9 bei Neapel

Panorama
Blick über den „Golf von Neapel“. Links der Vesuv, rechts Capri. Das Epizentrum des Bebens lag außerhalb des rechten Bildrandes. © Marc Szeglat

Starkes Erdbeben Mw 5,9 erschüttert Golf von Neapel – Erdbeben in großer Tiefe bleibt oberflächlich folgenlos

Datum: 09.03.2026 | Zeit: 23:03:54 UTC | Koordinaten: 40.543 ; 13.953 | Tiefe: 375 km | Mw 5,9

Heute Morgen staunte ich für einige Sekunden nicht schlecht, als mir auf der Shakemap des EMSC ein großer roter Fleck im Bereich des Golfs von Neapel entgegensprang, und mein Gesichtsausdruck entgleiste regelrecht, als ich eine Magnitude von 5,9 erspähte. Doch wenige Sekunden später hatte ich meine Mimik wieder unter Kontrolle, als ich sah, dass das Epizentrum des Bebens in der ungewöhnlich großen Tiefe von 375 Kilometern lag. Diese Tiefe ist der Grund, warum der starke Erdstoß vor der Küste einer der am dichtesten besiedelten Regionen Italiens oberflächlich betrachtet folgenlos blieb. Zwar gibt es bei den Erdbebendiensten Wahrnehmungsmeldungen, doch die Bebenzeugen waren selbst überrascht, als sie in den Erdbebenapps sahen, dass der Erdstoß eine Magnitude von fast 6 gehabt haben soll: Sie merkten nur leichte Erschütterungen, die etwa 5 Sekunden dauerten und sich wellenförmig ausbreiteten.

Golf von Neapel
Golf von Neapel. © EMSC/Leaflet

Das Epizentrum des Erdstoßes wurde von den Erdbebendiensten 43 Kilometer süd-südwestlich von Neapel und 22 km süd-südöstlich der Insel Ischia – auf der es erst letzte Woche ein schwaches Erdbeben gab – verortet. Das bekannte Capri liegt ähnlich weit entfernt und das Epizentrum liegt zwischen den beiden Inseln, die jeweils auf den Rand-Störungszonen des Halb-Grabens liegen, die das Absenkungsgebiet des Golfs von Neapel einrahmen. Doch die Herdtiefe zeigt, dass die Krustentektonik des Golfs von Neapel nicht für das Erdbeben verantwortlich war. Die Ursache lag vielmehr in anhaltenden Subduktionsprozessen entlang des Kalabrischen Bogens, in dessen Folge sich durch ein Zurückrollen der subduzierten Platte die Erdkruste ausdünnte und das Becken des Tyrrhenischen Meers entstand und sich weiter öffnet, ein Prozess, der auch maßgeblich für den Vulkanismus der Region verantwortlich ist: Durch die Subduktion der Ionischen Platte gelangt u.a. Wasser in den oberen Erdmantel, das die Schmelztemperatur der Mantelgesteine reduziert, wodurch Magma entsteht. Die Störungen in der Erdkruste dienen als Aufstiegswege des Magmas, das die Vulkane der Liparischen Inseln, die submarinen Vulkane um Marsili und die Feuerberge der Golfregion mit Schmelze versorgt. Die Spur der subduzierten Platte lässt sich bis in etwa 500 Kilometern Tiefe seismisch verfolgen. So sind tiefe Erdbeben wie das aktuelle zwar selten, kommen aber im Abstand von einigen Jahrzehnten immer wieder vor.

Eine aktive Tiefentektonik in der vulkanisch geprägten Region zeigt, dass auch die Magmenbildung weitergeht. So ist in den nächsten Jahrtausenden nicht damit zu rechnen, dass der Vulkanismus des Tyrrhenischen Meeres zum Erliegen kommt, was eine schlechte Langfristprognose vor allem für die Anwohner von Vesuv und Campi Flegrei darstellt.

Eine unmittelbare Reaktion der Vulkane im Wirkungskreis des Erdbebens blieb bis jetzt aus, könnte sich aber selbst noch nach Wochen oder Monaten ereignen. Dennoch war bereits in den letzten Tagen wieder eine leichte Zunahme der Seismik unter beiden Vulkanen Vesuv und Campi Flegrei zu beobachten gewesen. Unter dem Vesuv registrierte man im letzten Monat sogar langperiodische Niederfrequenz-Erdbeben, die direkt mit Fluidbewegungen im Zusammenhang standen. Dennoch hält der deflationäre Trend dort an.