Italien: Waldbrand am Ätna und bei Monreale auf Sizilien

Flammen vor Monreale: Schwere Waldbrände verwüsten Siziliens trockene Landschaft

Die Waldbrandsaison 2026 nimmt auf Sizilien, der größten Insel des Mittelmeeres, immer dramatischere Formen an: Nur wenige Kilometer von der berühmten Kathedrale von Monreale entfernt kämpften Einsatzkräfte gegen eine neue Feuerfront. Im Westen Siziliens breiteten sich mehrere Wald- und Vegetationsbrände aus. Besonders betroffen waren die Gebiete Casaboli, Pioppo und San Martino delle Scale in der Provinz Palermo. Die Flammen erreichten zeitweise bewohnte Gebiete, mehrere Familien mussten ihre Häuser vorsorglich verlassen. Die Flammen beschränken sich nicht auf den Westen der Insel, denn auch am Vulkan Ätna an der Ostküste sind erste Feuer ausgebrochen.

Besonders dramatisch entwickelte sich der Waldbrand im Bosco di Casaboli, einem bewaldeten Gebiet in den Bergen oberhalb von Pioppo, nur rund vier Kilometer vom für seine Kathedrale bekannten Monreale entfernt. Dichter Rauch lag über den Hügeln westlich von Palermo, während hohe Flammenfronten durch die trockene mediterrane Vegetation zogen. Einsatzkräfte von Feuerwehr, Forstverwaltung und Zivilschutz sind unter anderem mit Löschflugzeugen im Großeinsatz. Mehrere Canadair-Wasserbomber und Hubschrauber versuchen, die Ausbreitung der Brände einzudämmen.

Auch im Weinanbaugebiet Petto Dragone bei Linguaglossa an der Nordflanke des Ätnas ist heute Morgen mindestens ein Löschhubschrauber im Einsatz. Er soll dort einen bislang noch vergleichsweise kleinen Waldbrand eindämmen, bevor sich das Feuer weiter ausbreiten kann.

Sizilien erlebt im Hochsommer regelmäßig extreme Trockenperioden, während der Gräser und Buschvegetation vollständig austrocknen, wodurch die Brandgefahr dramatisch steigt. Oft reicht eine weggeworfene Zigarette, um einen sich schnell ausbreitenden Vegetationsbrand zu entfachen. Zusätzlich verstärkte ein kräftiger Scirocco-Wind aus Richtung Nordafrika die Brandausbreitung. Die heißen, trockenen Luftmassen beschleunigen die Flammenfronten und erschweren die Löscharbeiten.

Die italienischen Behörden gehen bei zahlreichen Sommerbränden auf Sizilien regelmäßig von vorsätzlicher Brandstiftung aus. In der Region Palermo wurden wiederholt Feuer gemeldet, bei denen eine vorsätzliche Entzündung vermutet wird. Die Bezeichnung „Piromani“ in lokalen Medien spiegelt diesen Verdacht wider, eine konkrete Täterschaft für die aktuellen Brände ist bislang aber nicht bestätigt.

Mir persönlich erscheint die Situation etwas paradox: Erst während der Osterferien bereiste ich die Region und erlebte sie ungewöhnlich grün und niederschlagsreich. Auf meiner Fahrt von Monreale nach Palermo regnete es derart stark, dass Wassermassen Gullideckel anhoben und aus der Kanalisation emporstiegen. Das Regenwasser wurde jedoch ungenutzt ins Meer abgeleitet. Zusätzliche Speicherbecken in den Bergen könnten dazu beitragen, Wasser für die trockenen Sommermonate zurückzuhalten und den Auswirkungen der Dürre entgegenzuwirken.

Waldbrandkrise im Mittelmeerraum

Die Feuer auf Sizilien sind Teil einer größeren Waldbrandkrise im Mittelmeerraum. Auch andere Regionen Italiens kämpfen im Sommer 2026 mit einer erhöhten Brandgefahr. Besonders gefährdet sind neben Sizilien gesamt Süditalien und Sardinien, wo Hitze, Dürre und starke Winde regelmäßig großflächige Brände begünstigen. Nach Angaben des europäischen Waldbrand-Informationssystems EFFIS sind in der EU bis Ende Juli bereits Hunderttausende Hektar Vegetationsfläche abgebrannt. Die Werte liegen deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, was dem frühen Beginn der Feuersaison geschuldet ist.

Besonders angespannt ist die Situation auch in Spanien und Frankreich. Spanien erlebt großflächige Brände, unter anderem in Regionen Zentralspaniens, wo zehntausende Hektar zerstört wurden und Evakuierungen notwendig waren. Frankreich meldete ebenfalls eine außergewöhnlich aktive Feuersaison, vor allem im Süden des Landes und entlang der Mittelmeerküste. Die Brände gehen mit extremen Hitzeperioden bei geringen Niederschlägen einher. Die ausgetrockneten Böden und häufigen Wetterlagen mit starkem Wind erhöhen europaweit die Gefahr großer Vegetationsbrände.

Neue Studie bestätigt zunehmende Bodentrockenheit durch Veränderung der atmosphärischen Zirkulation

Eine gestern in Nature Geoscience veröffentlichte Studie bestätigt, dass die zunehmende Bodentrockenheit in Europa nicht nur durch höhere Temperaturen und weniger Niederschlag verursacht wird. Einen entscheidenden Anteil haben auch Veränderungen der großräumigen atmosphärischen Zirkulation: Häufigere stabile Hochdrucklagen (Omega-Weterlagen) führen zu warmem, trockenem Wetter und verhindern Niederschläge.

Seit 1980 sollen diese veränderten Wetterlagen etwa 55 Prozent des Rückgangs der sommerlichen Bodenfeuchte in den mittleren Breiten Europas erklären. Gleichzeitig verstärken sie die durch die Erwärmung verursachte Austrocknung, da Hitze den Verdunstungsbedarf der Atmosphäre erhöht.

Die Ergebnisse zeigen, dass die zukünftige Entwicklung der europäischen Dürre nicht nur vom Temperaturanstieg abhängt, sondern auch davon, wie sich die atmosphärischen Strömungsmuster verändern. Bleiben die aktuellen Zirkulationstrends bestehen, könnte sich die sommerliche Austrocknung Europas weiter verschärfen.

Besonders in Deutschland und Teilen Mitteleuropas wurden diese zur weiteren Bodenaustrocknung führenden Muster in den letzten 3 Jahren kurzzeitig unterbrochen. Der Winter 2022/23 und insbesondere das Jahr 2023 waren in Teilen Europas ungewöhnlich niederschlagsreich. Deutschland verzeichnete 2023 eines der nassesten Jahre seit Beginn der Messungen. Ein Teil dieser Entwicklung lässt sich durch natürliche Schwankungen wie El Niño, die Nordatlantische Oszillation (NAO) und andere interne Klimavariabilität erklären.

Im Kontext von Vnet besonders Interessant ist der Ansatz, dass neuere Modellstudien untersuchen, ob es tatsächlich einen möglichen Einfluss des Hunga-Tonga-Ha’apai-Ausbruchs von 2022 auf die atmosphärischen Strömungsmuster der Nordhemisphäre gab. Simulationen deuten darauf hin, dass der Ausbruch die Stratosphäre und möglicherweise auch den Polarwirbel beeinflusst haben könnte. Ein Zusammenhang mit Oberflächenwetterlagen wird diskutiert, ist aber noch Gegenstand der Forschung.