Japan: Sehr starkes Erdbeben vor der Nordostküste von Honshu

Sehr starkes Erdbeben Mw 7,4 erschütterte Nordostküste von Honshu in Japan – Tsunamialarm ausgerufen

Datum: 20.04.2026 | Zeit: 07:52:58 UTC | Koordinaten: 40.027 ; 142.968 | Tiefe: 11 km | Mw 7,4

Ein sehr starkes Erdbeben der Magnitude 7,4 erschütterte die Nordostküste der japanischen Hauptinsel Honshu. Das als Seebeben zu klassifizierende Ereignis manifestierte sich am 20. April 2026 um 07:52:58 UTC (16:52 Uhr Ortszeit) und hatte ein Epizentrum, das etwa 135 Kilometer ostsüdöstlich von Hachinohe und rund 97 Kilometer nordöstlich von Miyako verortet wurde. Die Herdtiefe betrug laut vorläufigen Angaben des EMSC 11 Kilometer. Einige Erdbebendienste geben die Magnitude mit Mw 7,5 an. Die Japan Meteorological Agency (JMA) registrierte eine maximale Intensität von „5+“ auf der japanischen Skala und gab eine Tsunami-Warnung aus. Es gab 2 mittelstarke Nachbeben sowie einen schwächerer Erdstoß.

Japan. © EMSC/Leaflet

Die Tsunamiwarnung wurde unmittelbar nach dem Beben gegeben und gilt für die Pazifikküsten von Hokkaido, Aomori und Iwate. Die Behörden rechneten mit Wellenhöhen von bis zu drei Metern. Tatsächlich wurde im Hafen von Kuji bereits ein Tsunami von etwa 80 Zentimetern Höhe beobachtet. Die Bevölkerung in den betroffenen Küstengebieten wurde aufgefordert, sich umgehend in höher gelegene Regionen zu begeben. Die frühere Premierministerin Sanae Takaichi wandte sich direkt an die Öffentlichkeit und betonte die Dringlichkeit der Evakuierungsmaßnahmen.

Die unmittelbaren Folgen des Bebens äußerten sich zunächst in Vorsichtsmaßnahmen: Der Betrieb des Tōhoku-Shinkansen wurde zwischen Tokio und Shin-Aomori vorsorglich eingestellt. Häfen wurden geräumt, und zahlreiche Züge kamen zum Stillstand. Gleichzeitig überprüften die Betreiber die Sicherheit der Kernkraftwerke in der Region, darunter das 2011 havarierte Fukushima Daiichi. Nach ersten Angaben wurden dort keine Auffälligkeiten festgestellt. Berichte über größere Schäden oder Opfer lagen in den ersten Stunden nach dem Ereignis nicht vor, was auch auf die Lage des Epizentrums im offenen Meer zurückzuführen ist.

Tektonisch gesehen ist das Beben in den Kontext der Subduktionszone vor Nordostjapan einzuordnen. Entlang des Japan-Grabens taucht die Pazifische Platte mit hoher Geschwindigkeit unter die Okhotsk- bzw. Nordamerikanische Platte ab. Diese Konvergenzzone zählt zu den aktivsten Erdbebengebieten der Erde. Spannungen bauen sich auf und entladen sich in Form starker bis sehr starker Erdbeben. Flach liegende Beben wie dieses – in nur etwa 11 Kilometern Tiefe – sind besonders gefährlich, da sie häufig mit Tsunamis einhergehen.

Japan gehört zum Pazifischen Feuerring, der zum einen durch die pazifische Plattengrenze definiert wird, zum anderen durch die Vulkane, die sich meistens ca. 100 bis 150 Kilometer hinter den pazifischen Subduktionszonen aufreihen. Dementsprechend viele Vulkane gibt es in Japan, die auf die Erschütterungen des starken Erdbebens reagieren könnten. Besonders nahe am Epizentrum liegen die Feuerberge im Norden von Honshu, wie Towada und Iwate. Darüber hinaus befindet sich das südliche Hokkaido mit mehreren Vulkanen in einer Entfernung von gut 200 Kilometern.

Die Region ist historisch immer wieder von schweren Erdbeben betroffen gewesen. Besonders prägend war das Tōhoku-Erdbeben MW 9,0, dass im Jahr 2011 einen großen Tsunami verursachte und zur Nuklearkatastrophe von Fukushima führte. Auch in den Jahren danach kam es wiederholt zu starken Nachbeben und eigenständigen Ereignissen im Bereich der Subduktionszone, darunter mehrere Beben im Magnitudenbereich über 7. Das aktuelle Ereignis reiht sich somit in eine lange Serie tektonischer Aktivität entlang dieser Plattengrenze ein.

Update 12:30 Uhr: Die Herdtiefe wurde vom GFZ auf 29 Kilometer korrigiert, was erklärt, dass weder größere Schäden noch ein großer Tsunami entstanden. Der Tsunami-Alarm wurde inzwischen aufgehoben. Videoaufnahmen belegen aber, dass zumindest kleinere Schäden entstanden sind.