Spürbares Erdbeben Mb 2,7 erschütterte Montserrat – vulkanotektonischer Ursprung unter Domvulkan Soufrière Hills
Am Abend des 9. Mai erschütterte ein leichtes Erdbeben die Karibikinsel Montserrat. Nach Auswertung des Seismic Research Centre der University of the West Indies ereignete sich das Beben um 21:02 Uhr Ortszeit südöstlich der Inselhauptstadt Brades. Mit einer Magnitude von 2,7 und einem Hypozentrum in 7,4 Kilometern Tiefe lag das Epizentrum etwa acht Kilometer südöstlich von Brades – im Bereich des aktiven Vulkankomplexes der Soufrière Hills. Während vulkanotektonische Erdbeben keine Seltenheit sind, kommen spürbare Erdstöße hingegen nicht oft vor. Daher sorgte das Beben für einige Besorgnis auf der Insel.

Vulkanotektonische Erdbeben sind Ausdruck von Fluidbewegungen im vulkanischen Untergrund, bei denen Fluidbewegungen Gesteinsbruch verursachen. Bei diesen Fluiden kann es sich um stark komprimiertes Gas handeln, das durch den hohen Druck in größerer Tiefe nicht mehr als Gas vorliegt, sondern sich teilweise verflüssigt, oder es steigt direkt Magma auf.
Geologisch befindet sich Montserrat auf dem Inselbogen der Kleinen Antillen, wo die atlantische Lithosphärenplatte unter die Karibische Platte subduziert wird. Die dabei freigesetzten Fluide senken den Schmelzpunkt des Mantelmaterials und speisen eine Kette explosiver Stratovulkane. Der Soufrière-Hills-Vulkan gilt als einer der aktivsten und gefährlichsten Vulkane der Region. Er produziert zähflüssige, andesitische bis dacitische Magmen, die zur Bildung instabiler Lavadome neigen, von denen gefährliche pyroklastische Ströme abgehen können.
Das aktuelle Wochenbulletin des Montserrat Volcano Observatory für den Beobachtungszeitraum 1.–8. Mai 2026 berichtet von seismischer Unruhe unter Soufriere Hills, allerdings ohne dass der Vulkan in Eruption begriffen wäre. Im Wochenverlauf wurden 17 vulkanotektonische Erdbeben registriert, genauso viele wie in der Vorwoche. Die Schwefeldioxid-Emissionen betrugen durchschnittlich 184 Tonnen pro Tag und lagen damit in einem moderaten Bereich. Trotzdem halten die Vulkanologen vom MVO vor möglichen Kollaps am alten Lavadom. Dort können pyroklastische Ströme ohne weitere Vorwarnung entstehen, die selbst in Richtung Plymouth, der seit Jahrzehnten verlassenen Hauptstadt, fließen könnten.
Die jüngere Eruptionsgeschichte des Soufrière-Hills mahnt zur Vorsicht. Nach jahrhundertelanger Ruhe begann 1995 eine eruptive Phase, die 1997 in katastrophalen pyroklastischen Strömen gipfelte und 19 Menschen das Leben kostete. Plymouth wurde verschüttet und große Teile des Südens unbewohnbar. Wiederkehrende Domwachstumsphasen dauerten bis 2010 an. Seither befindet sich der Vulkan in einer relativen Ruhephase.
Update 17:00 Uhr: Wie das MVO gerade mitteilte, zeigten weitere Analysen des Erdbebens, dass die Magnitude neu berechnet werden musste und von 2,7 auf 3,7 angehoben wurde. Die Gefahreneinschätzung änderte sich aber nicht.