Peru: Starkes Erdbeben mit teils bizarren Folgen

Starkes Erdbeben Mw 5,8 erschütterte Zentrum von Peru – Särge fielen aus Grabmauern

Datum: 19.06.2026 | Zeit: 17:57:55 UTC | Koordinaten: -14.192 ; -75.529 | Tiefe: 64 km | Mw 5,8

Gestern hat sich in Peru ein starkes Erdbeben mit teils skurrilen Auswirkungen ereignet. Der Erdstoß der Magnitude 5,8 manifestierte sich um 17:57 UTC (12:57 Uhr Lokalzeit) hinter der Küstenregion Zentralperus. Nach Angaben des EMSC lag das Hypozentrum in 64 Kilometern Tiefe, während das Epizentrum 26 Kilometer östlich-südöstlich von Ica verortet wurde. Das Beben wurde in einem weiten Umkreis deutlich gespürt, unter anderem bis nach Huancayo, in mehr als 200 Kilometern Entfernung.

Peru. © EMSC/Leaflet

Das Ereignis verursachte leichte infrastrukturelle Schäden und wurde großräumig wahrgenommen: Viele Bewohner berichteten von einem langanhaltenden, rollenden Ruck, begleitet von einem dumpfen Grollen aus dem Untergrund. In höheren Gebäuden von Ica und Pisco schwankten Deckenlampen. Menschen liefen in Panik auf die Straßen. Offiziellen Angaben zufolge wurden mindestens 27 Personen verletzt. Zudem hinterließ die Erschütterung ungewöhnliche und teils bizarre Spuren.

Besonders auffällig waren die Auswirkungen in der extrem trockenen Wüstenumgebung der Region. In den Sandfeldern rund um die Huacachina-Oase kam es zu Sandrutschungen an den Dünenhängen. Ganze Flanken gerieten ins Gleiten, wobei feinkörniger Sand in Strömen talwärts floss. Solche Prozesse entstehen, wenn seismische Scherwellen die Reibung zwischen den Körnern kurzzeitig reduzieren und die Struktur des lockeren Materials kollabiert.

Noch ungewöhnlicher waren die Schäden in der Stadt Ica, wo mehrere Nischenwände von Grabmauern in Friedhofsanlagen einstürzten, wodurch Grabkammern geöffnet wurden. In sozialen Medien kursieren Bilder von aus den Nischen gestürzten Särgen. Ein sicherlich unerwünschter Nebeneffekt des Erdbebens. Diese Grabbauweise ist in der Region weit verbreitet, da der trockene Boden das Ausheben klassischer Erdgräber erschwert.

Tektonisch steht das Ereignis im Kontext der hochaktiven Subduktionszone entlang der peruanischen Küste. Hier taucht die Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte ab und schafft eine der aktivsten Erdbebenzonen der Welt. Das aktuelle Beben ist wahrscheinlich auf Deformationen innerhalb der abtauchenden Nazca-Platte zurückzuführen, also auf Bruchprozesse innerhalb der subduzierten Lithosphäre selbst. Solche tieferen Ereignisse entstehen häufig entlang interner Schwächezonen der Platte. Es ist aber auch denkbar, dass der Erdstoß mit einer lokalen Störungszone im Forearc-System der Subduktionszone zusammenhängt: Auf der EMSC-Shakemap sind entsprechende Störungen eingezeichnet, wobei die Tiefe des Erdbebenherds dagegen spricht.