Piton Fournaise: Lava stagniert kurz vor Küste

Lavastrom stagniert kurz vor der Küste und der Bildung eines Ocean Entrys am Piton Fournaise

Die Lava macht es spannend: Kurz vor dem erwarteten Ocean Entry auf La Réunion hat sie sich so weit verlangsamt, dass einige Stimmen davon sprachen, sie hätte in 150 mm Entfernung zur Küste gestoppt. Laut OVPF-Vulkanologen bewegt sich die am weitesten fortgeschrittene Lavafront noch mit einigen Metern pro Stunde. Grund hierfür dürfte sein, dass sich das Gelände immer weiter abflacht, je näher es der Küste kommt, und das Gefälle führte den Lavastrom nicht auf den kürzesten Weg zum Meer, sondern auf eine etwas abgeschrägte Route dorthin, wo es bereits schon mal einen Ocean Entry gab.

Es ist noch offen, ob die Lava die letzten Meter schafft, und es hängt natürlich nicht nur vom Gefälle ab, sondern auch vom Lavanachschub. Wenn dieser schwächelt, sieht es schlecht aus. Bei konstant anhaltendem Lavafluss sollte es aber früher oder später zu einem Ocean Entry kommen. Natürlich spielen noch andere Faktoren eine Rolle, etwa wie sich der Lavastrom in mehrere Arme teilt und ob dann in einem Arm genug Schmelze unterwegs ist, um die Front schnell genug voranschreiten zu lassen, bevor sie erstarrt und sich selbst blockiert. Wenn das der Fall ist, kann sich weiter hangaufwärts ein neuer Lavaarm bilden, der es dann wieder weiter bis zur Küste hat.

Piton Fournaise 2004. © Marc Szeglat

Ich selbst hatte bisher zweimal das Glück, eine Ocean-Entry am Piton de la Fournaise mitzuerleben, wobei der von 2004 der spannendste und ästhetischste war. Ich bin auch immer wieder erstaunt, wie groß das Interesse der Réunaisen ist, dem Lava-Schauspiel beizuwohnen. Damals standen Observatorium und Präfektur noch unter Leitung von Menschen, die selbst etwas lockerer waren, und sorgten dafür, dass die Schaulustigen von Gendarmen begleitet zu Aussichtspunkten nahe der Lava geführt wurden. Wir Geonauten/Vulkanauten waren mit Sondergenehmigungen ausgestattet und konnten direkt bis zur Lavafront vordringen. Klar ist, dass von einem Ocean Entry einige Gefahren ausgehen: Es drohen sekundäre Explosionen bei Kontakt von Lava mit Wasser, es gibt eine extrem starke Dampfentwicklung und sauren Regen, die einem Sicht und Atem nehmen, verstärkt von brennender Vegetation. Waldbrände und die fließende Lava selbst können einen in Bedrängnis bringen und sogar den Rückweg abschneiden Geht man auf ein neu entstandenes Lavadelta hinaus, droht dieses zu kollabieren, da die Lava von den Wellen des Ozeans schnell erodiert und unterspült wird Doch trotz – oder gerade wegen – dieser Gefahren ist ein Ocean Entry ein besonders Naturschauspiel, das man auf der Erde nur selten zu Gesicht bekommt.