Poás: Phreatische Eruption in der Dunkelheit

Phreatische Eruption am Poás vermutet – Infraschallsignale geben Hinweis

Wie gestern Abend von OVISCORI-UNA bekanntgegeben, zeichneten die Überwachungsstationen am Poás Signale auf, die auf eine phreatische Eruption schließen lassen. Das Ereignis vom späten Abend des 10. April 2026 manifestierte sich um 23:43 Uhr in Form eines mehrere Minuten anhaltenden seismischen und akustischen Signals, das auf eine phreatische Explosion hindeutet. Zeitgleich meldeten Anwohner aus der Region Grecia leichten Aschefall, der vermutlich aus dem südwestlichen Bereich des Kraters stammt. Aufgrund dichter Bewölkung und der nächtlichen Dunkelheit konnte der Vulkanausbruch nicht direkt visuell bestätigt werden, sodass Höhe und Ausmaß einer möglichen Eruptionssäule unbekannt bleiben. Eine VONA-Meldung liegt nicht vor.

Die aktuellen vulkanologischen Überwachungsdaten zeigen, dass sich der Poás weiterhin auf Warnstufe „Gelb“ befindet. In der Woche vor dem Ereignis war die Anzahl langperiodischer Signale rückläufig, während lediglich vier vulkano-tektonische Erdbeben sowie zwei kurze Tremorphasen registriert wurden. Der Hintergrundtremor blieb stabil. Geodätische Messungen ergaben keine signifikante Deformation im Bereich des Kraters, wenngleich an der Südflanke eine leichte Kontraktion festgestellt wurde.

Auch die Gasemissionen lagen weiterhin auf moderatem Niveau: Der durchschnittliche Schwefeldioxid-Ausstoß betrug etwa 103 ± 40 Tonnen pro Tag und lag damit leicht über dem Wert der Vorwoche. Satellitenbeobachtungen bestätigten wiederholt eine Gasfahne. Im Krater selbst zeigte der saure See zuletzt schwankende, insgesamt aber rückläufige Pegelstände, bevor eine Stabilisierung eintrat. Messungen ergaben Wassertemperaturen von bis zu 75 °C, begleitet von intensiver Ausgasung, die die Beobachtung erschwert.

Die aktuelle phreatische Eruption entspricht dem bekannten Aktivitätsmuster des Poás, das zu den geophysikalischen Messdaten passt: Trotz einer Aktivitätsabnahme nach der Hochphase im letzten Jahr ist Restschmelze im Untergrund vorhanden, die das Hydrothermalsystem des Vulkans befeuert. Dadurch kann Wasser schlagartig verdampfen und die bekannten Explosionen verursachen. Stärkere magmatische Eruptionen sind momentan weniger Wahrscheinlich aber nicht unmöglich.