Bergbaubedingte Erdbeben erschüttern Niederschlesien in Polen nahe der deutschen Grenze
Datum: 11.07.2026 | Zeit: 06:11:59 UTC | Koordinaten: 51.512 ; 16.186 | Tiefe: 10 km | Mb 4,8
Eine Serie von Erdbeben hat am Samstagmorgen die Umgebung von Polkowice und Rudna in Niederschlesien erschüttert. Das stärkste Ereignis erreichte nach Angaben des EMSC eine Magnitude von 4,8 und hatte eine Herdtiefe von zehn Kilometern. Mehrere schwächere Erschütterungen folgten innerhalb weniger Stunden. Auffällig ist, dass zwei dieser Beben in einer Tiefe von nur gut einem Kilometer lokalisiert wurden, was dem vermuteten Ursprung der Erschütterungen eher entspricht: Die Epizentren konzentrieren sich auf das bedeutendste Kupferbergbaugebiet Polens unmittelbar nördlich von Polkowice. Daher wird davon ausgegangen, dass es sich um bergbaubedingte, also induzierte Erdbeben handelt.

Die Region gehört zur Vorerzgebirgsmulde und beherbergt einige der größten Kupfer- und Silberlagerstätten Europas. In den Bergwerken Rudna, Polkowice-Sieroszowice und Lubin werden kupfer- und silberhaltige Erze abgebaut. Neben den wirtschaftlich bedeutenden Metallen treten zahlreiche Begleitmineralien auf, darunter hervorragend ausgebildete Kristalle von Gips und Selenit sowie Mineralien wie Chalkopyrit, die unter Sammlern weltweit geschätzt werden.
Die enge räumliche Bindung der Erdbeben an die Abbaugebiete sowie die langjährige Erfahrung mit induzierter Seismizität sprechen dafür, dass die Erschütterungen durch Spannungsumlagerungen infolge des untertägigen Bergbaus ausgelöst wurden. Solche sogenannten Gebirgsschläge zählen zu den bekannten Risiken des Tiefbaus und können gelegentlich Magnituden erreichen, die weit über die Grenzen des Bergbaureviers hinaus wahrgenommen werden.

Zu diesen Ereignissen gehört auch das heutige Beben der Magnitude Mb 4,8, das weit über Niederschlesien hinaus verspürt wurde. Dem EMSC liegen Wahrnehmungsmeldungen aus einer Entfernung von bis zu 103 Kilometern vom Epizentrum vor. Dieses befindet sich zudem im Bereich eines großen Absetzbeckens. Augenzeugen aus der Nähe des Epizentrums berichten von einem außergewöhnlich heftigen Stoß, wie er dort nur selten erlebt wird. Kleinere Gegenstände fielen von Tischen und Regalen. Meldungen über größere Schäden oder Verletzte liegen bislang nicht vor.
Für die Bevölkerung sind derartige Erschütterungen zwar beunruhigend, im niederschlesischen Kupferrevier jedoch kein unbekanntes Phänomen. Moderne Überwachungssysteme registrieren selbst kleinste Bewegungen des Gesteins und helfen den Bergbauunternehmen, die Sicherheit unter Tage weiter zu verbessern.
Doch nicht immer gehen Bergschläge glimpflich aus. Im November 2016 starben im Bergwerk Polkowice 8 Bergleute bei einem Grubenunglück, dass eine Erschütterung der Magnitude 3,8 auslöste.
