Erneute Erdbebenserie erschüttert den Reykjanes-Rücken im Nordatlantik
Datum: 07.07.2026 | Zeit: 05:55:41 UTC | Koordinaten: 59.495 ; -30.297 | Tiefe: 10 km | Mb 5,3
Innerhalb von weniger als vier Stunden hat eine ungewöhnlich dichte Serie mittelstarker Erdbeben den Reykjanes-Rücken im Nordatlantik erschüttert. Es wurden vier Beben mit Magnituden zwischen 4,4 und 5,3 registriert, die sich am 7. Juli in einem eng begrenzten Gebiet bei etwa 59,5° Nord und 30,3° West ereigneten. Die Epizentren wurden vom EMSC 636 km süd-südwestlich von Grindavík verortet. Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass sich ein Erdbebenschwarm auf der Breite der Südspitze von Grönland und auf der Länge von Island manifestierte.

Den Auftakt bildete um 04:56 UTC ein Erdbeben der Magnitude 4,4 in 13 Kilometern Tiefe. Nur wenige Minuten später folgte ein stärkeres Beben der Magnitude 5,1. Gegen 05:55 UTC registrierten Seismologen schließlich das stärkste Ereignis der Serie mit einer Magnitude von 5,3 in rund 10 Kilometern Tiefe. Etwa zweieinhalb Stunden später erschütterte ein weiteres Beben der Magnitude 5,0 dieselbe Region.
Die nahezu identischen Epizentren und die vergleichbaren Herdtiefen sprechen dafür, dass alle vier Erschütterungen Teil eines zusammenhängenden tektonischen Prozesses sind. Der Reykjanes-Rücken bildet einen Abschnitt des Mittelatlantischen Rückens, an dem sich die Nordamerikanische und die Eurasische Platte jährlich um einige Zentimeter voneinander entfernen. Durch diese Dehnung entstehen regelmäßig Spannungen, die sich in Erdbeben entladen.
Da die Magnituden der einzelnen Erschütterungen vergleichsweise nah beieinander liegen, könnte es sich um einen Erdbebenschwarm oder eine fortlaufende Aktivierung mehrerer Störungssegmente handeln.
Da sich die Erdbeben auf dem offenen Ozean ereigneten, sind keine Auswirkungen auf Menschen zu erwarten. Auch die Magnituden, Herdtiefen und Bruchprozesse entlang der divergenten Störung sprechen nicht für die Entstehung eines gefährlichen Tsunamis.
Erdbeben auf Island
Die Beben wirkten sich zwar nicht auf das nördlich gelegene Island aus, doch auch dort gab es heute wieder interessante Erdbeben mit teils widersprüchlichen Daten. Bereits gestern Mittag registrierte das EMSC ein Beben Mb 4,2 im Zentralbereich des Vatnajökulls, das bei IMO jedoch mit einer Magnitude von 2,8 eingestuft wurde. Abends gab es im Bardarbunga-Gebiet ein weiteres theoretisch spürbares Beben Mb 3,0, das auch von IMO bestätigt wurde. Darüber hinaus gab es mehrere schwächere Erschütterungen in verschiedenen Arealen des Gletschers.
Auffallend viele Mikrobeben gab es im Krysuvik-System auf der Reykjanes-Halbinsel. Darüber hinaus hält die Bodenhebung im Svartsengigebiet unverändert an.