Rincón de la Vieja bleibt unruhig udn erzeugte 57 phreatische Explosionen auf Wochensicht
Am costa-ricanischen Vulkan Rincón de la Vieja hält die eruptive Aktivität an. Das Observatorio Vulcanológico y Sismológico de Costa Rica (OVSICORI-UNA) registrierte in der vergangenen Woche insgesamt 57 phreatische bzw. hydrothermale Eruptionen. Die meisten Ausbrüche waren von geringer Stärke, nur drei erreichten eine moderate akustische Magnitude. Die stärkste Eruption ereignete sich am 6. September um 10:32 Uhr Ortszeit. Sie löste einen sogenannten syn-eruptiven Lahar aus, also einen Schlamm- und Geröllstrom, der unmittelbar durch den Ausbruch ausgelöst wurde. Nach starken Regenfällen gingen am 5. und 6. September zusätzlich sekundäre Lahare ab.

Die vulkanische Seismizität zeigt dabei interessante Veränderungen. Der niederfrequente Tremor im Bereich von 0,7 bis 2,5 Hz hält an, schwankte im Wochenverlauf allerdings deutlich. Dabei beobachteten die Vulkanologen einen Zusammenhang zwischen der Tremoramplitude und der Eruptionshäufigkeit: Wenn der Tremor schwächer wird, nimmt die Zahl der Eruptionen zu, was zunächst paradox erscheint. Tatsächlich kommt es kurz vor einer Explosion zu einer Druckzunahme im Hydrothermalsystem, wodurch sich die Fluide weniger gut bewegen können, was zu einem Rückgang des Tremors führt. Studien zeigen, dass der Rincón zwar grundsätzlich über ein offenes Fördersystem führt, dieses aber durch Mineralabscheidungen verstopfen kann, was zur Druckzunahme führt.
Besonders aufmerksam verfolgen die Wissenschaftler die Zunahme langperiodischer Erdbeben. Allein am 11. September wurden 16 LP-Ereignisse registriert. Zusätzlich traten Erdbeben auf, die mit dem Bruch von Gestein innerhalb und außerhalb des Gipfelbereichs zusammenhängen. Nach Einschätzung von OVSICORI kann deshalb eine moderate Eruption in naher Zukunft nicht ausgeschlossen werden.
Auch die Gasaktivität bleibt erhöht. Der durchschnittliche Schwefeldioxid-Ausstoß lag bei 293 Tonnen pro Tag, mit einem Spitzenwert von 3586 Tonnen. Die Werte liegen weiterhin über dem normalen Grundniveau des Vulkans. Geodätische Messungen zeigen kurzfristig eine Kontraktion des Gipfels und längerfristig eine Subsidenz des Massivs.
Poás mit geringer Eruptionsaktivität
Am Poás wurde in der vergangenen Woche lediglich eine kleine Eruption registriert. Der Tremor blieb moderat und relativ stabil. Ein kleiner Hangrutsch am 10. September folgte auf starke Niederschläge. Der hyperazide Kratersee stieg um etwa 0,6 Meter an. Die SO₂-Emissionen blieben mit durchschnittlich 152 Tonnen pro Tag auf dem Niveau der Vorwoche.