Spanien: Granada von Erdbebenserie erschüttert

Seit Tagen anhaltende Erdbebenserie erschüttert Granada und richtet Schäden an

Das spanische Granada ist ein beliebtes Urlaubsidyll, doch seit Tagen kommt die Region nicht zur Ruhe: Eine seit dem 14. August anhaltende Erdbebenserie hat Bevölkerung und Urlauber im Großraum der andalusischen Stadt in Angst versetzt. Nach dem starken Beben der Magnitude 5,2 in der Nacht zum 15. August folgten zahlreiche Nachbeben. Am Dienstag, 18. August, intensivierte sich die Aktivität erneut. Ein flaches Beben der Magnitude 4,8 bei Gójar wurde von weiteren Erschütterungen begleitet, darunter mehrere Ereignisse über Magnitude 3.

Spanien. © EMSC/Leaflet

Die Beben bilden etwa 10 Kilometer südlich des Stadtzentrums von Granada einen Cluster im Bereich des Flughafens. Hier verlaufen mehrere aktive Störungszonen im Übergangsbereich des Granada-Beckens und der Betischen Kordillere.

Bereits das Beben vom 15. August blieb nicht folgenlos und wirkte sich auf Gebäude und Infrastruktur aus: Fassadenteile, Dachziegel und andere Bauteile stürzten von Häusern herab, Fahrzeuge wurden beschädigt und in mehreren Gebäuden entstanden Risse. Mehr als 300 Notrufe gingen ein, Feuerwehr und Rettungskräfte absolvierten zahlreiche Einsätze. Verletzte gab es zunächst nicht, dennoch verließen viele Menschen aus Angst ihre Wohnungen und verbrachten die Nacht im Freien.

Am 18. August kamen weitere Schäden hinzu. In Wohngebäuden wurden größere Risse festgestellt. Erneut lösten sich Fassadenteile und die Trümmer fielen auf Straßen. Mindestens drei Menschen erlitten leichte Verletzungen, darunter ein Kind, das zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht wurde. Teile der Alhambra wurden vorsorglich geräumt. Auch öffentliche Gebäude und Sportstätten wurden geschlossen und die Metro musste ihre Geschwindigkeit reduzieren.

Die Tektonik der Region ist komplex: Einerseits wird sie durch die Konvergenz der Afrikanischen und Eurasischen Platte geprägt, andererseits unterliegt die zentrale Betische Kordillere einer aktiven Krustendehnung. Im Granada-Becken wird diese Dehnung durch mehrere überwiegend normal verlaufende Störungen aufgenommen, an denen es immer wieder zu flachen Erdbeben kommt. Geodätische Messungen belegen für das Granada-Becken eine Dehnung von bis zu etwa 1,3 Millimetern pro Jahr.

Historisch betrachtet sind in der Region auch deutlich stärkere Erdbeben dokumentiert. Das schwere Andalusien-Erdbeben von 1884 erreichte etwa Magnitude 6,1 und verursachte insbesondere in Granada und Málaga starke Schäden. Studien zeigen zudem, dass mehrere aktive Störungen der Granada-Bucht grundsätzlich Erdbeben oberhalb der Magnitude 6 hervorbringen können.