Starkes Erdbeben Mw 6,2 erschüttert Süden von Italien

Starkes Erdbeben MW 6,2 vor der Küste Kalabriens in Italien – Hypozentrum in großer Tiefe

Datum: 01.06.2026 | Zeit: 22:12:35 UTC | Koordinaten: 39.294 ; 15.795 | Tiefe:  240 km | Mw 6,,2

Glück im Unglück hatten gestern Abend die Menschen im Süden von Italien, als sich unmittelbar vor der Küste Kalabriens im Tyrrhenischen Meer ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,2 manifestierte. Der Erdstoß war zwar stark, spielte sich aber in einer Tiefe von 240 Kilometern ab, weswegen der Erdstoß zwar weithin deutlich spürbar war, aber keine großen Schäden entstanden sind. Dennoch jagte der Erdstoß vielen Menschen Schrecken ein und trieb sie aus den Betten.



Italien © EMSC/Leaflet

Nach Angaben des INGV ereignete sich das Beben um 00:12:35 Uhr Ortszeit (22:12:35 UTC) vor der tyrrhenischen Küste Kalabriens. Das Epizentrum lag 22 Kilometer westsüdwestlich von Paola in der Provinz Cosenza sowie etwa 124 Kilometer nördlich von Messina auf Sizilien. Besonders bemerkenswert war die Herdtiefe von 240 Kilometern.

Zahlreiche Menschen wurden kurz nach Mitternacht aus dem Schlaf gerissen. Wahrnehmungsberichte auf der Erdbebenplattform EMSC schildern ein langes, deutlich spürbares Schwanken von Gebäuden und Möbeln. Viele Zeugen beschrieben die Erschütterungen weniger als abrupten Stoß, sondern vielmehr als ein vergleichsweise lange anhaltendes Schaukeln. Meldungen gingen aus weiten Teilen Kalabriens, aus Sizilien, Kampanien, Basilikata und Apulien ein. Selbst in Städten wie Palermo, Catania, Neapel und Salerno wurde das Beben wahrgenommen.

Trotz seiner Stärke sind bislang keine größeren Sach- oder Personenschäden bekannt geworden. Dies hängt vor allem mit der außergewöhnlichen Herdtiefe zusammen. Während flache Erdbeben ihre Energie unmittelbar an die Oberfläche übertragen und dort oft schwere Zerstörungen verursachen, verteilt sich die Energie tiefer Erdbeben über ein deutlich größeres Gebiet. Dadurch werden sie zwar über große Entfernungen hinweg gespürt, ihre Auswirkungen an der Oberfläche bleiben aber meist begrenzt.

Unterschiedliche Erdbebenarten im Süden von Italien

Die Region Kalabrien zählt zu den erdbebengefährdetsten Gebieten Europas. Historisch wurde sie mehrfach von schweren Katastrophen erschüttert, darunter die verheerende Erdbebenserie von 1783 sowie das Erdbeben von Messina im Jahr 1908, das mehr als 80.000 Menschen das Leben kostete. Allerdings treten in der Region grundsätzlich zwei sehr unterschiedliche Arten von Erdbeben auf.

Die erste Kategorie umfasst flache Krustenbeben. Sie entstehen entlang aktiver Störungen in den oberen zehn bis zwanzig Kilometern der Erdkruste. Solche Ereignisse können bereits bei Magnituden um 6 signifikante Schäden verursachen, da die Bruchzone nahe an der Oberfläche liegt. Die meisten historischen Katastrophen Kalabriens und Siziliens gehören zu diesem Typ.

Die zweite Kategorie bilden sogenannte Tiefbeben innerhalb einer absinkenden Erdplatte. Genau zu dieser Gruppe zählt das aktuelle Ereignis. Kalabrien liegt am sogenannten Kalabrischen Bogen, einer geologisch komplexen Zone zwischen dem Tyrrhenischen Meer und dem Ionischen Meer. Dort taucht die ozeanische Lithosphäre des Ionischen Beckens seit Millionen von Jahren in den Erdmantel ab. Diese absinkende Platte bildet eine mehrere hundert Kilometer tiefe Zone erhöhter Erdbebenaktivität, die von Geologen als Wadati-Benioff-Zone bezeichnet wird.

Das Erdbeben vom 1. Juni ereignete sich mit seiner Herdtiefe von rund 240 Kilometern innerhalb dieser Zone. Seismologisch handelt es sich daher nicht um einen Bruch an einer oberflächennahen Störung Kalabriens, sondern um ein sogenanntes Intraslab-Beben innerhalb der bereits tief in den Mantel abgesunkenen ionischen Lithosphäre. Die Position und Tiefe des Hypozentrums entsprechen auffallend genau dem bekannten Muster früherer Tiefbeben unter dem Kalabrischen Bogen.

Dieses tektonische Setting erklärt die Kombination aus starker Magnitude, bei großräumiger Wahrnehmung und vergleichsweise geringen Auswirkungen. Das Beben war stark genug, um Menschen von Sizilien bis Kampanien zu alarmieren, fand jedoch in einer Tiefe statt, in der seine Energie vor allem weiträumige Schwingungen erzeugte.

Auswirkungen des Erdbebens auf die Vulkane Süditaliens möglich

Die Subduktionsprozesse sind nicht nur für Erdbeben verantwortlich, sondern prägen auch den Vulkanismus der Region, indem sie zumindest teilweise für die Entstehung des Magmas verantwortlich sind, das an den Vulkanen als Lava austritt.

Insbesondere der Liparische Inselvulkan Stromboli, aber auch der submarine Marsili Seamount befinden sich in der Nähe des Epizentrums. Stromboli liegt gerade einmal 70 Kilometer entfernt. Die Erschütterungen des Erdbebens könnten sich auf die Aktivität des Vulkans auswirken, Eruptionen triggern oder unterbinden. Selbst die anderen Vulkane Süditaliens liegen innerhalb des theoretischen Wirkungskreises des Bebens. Sollten sich in den nächsten Stunden, Tagen und Wochen signifikante Verhaltensänderungen an einem der Feuerberge ereignen, könnte das mit dem Erdbeben zusammenhängen.